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Blockchain & Smart Contracts – Verträge aus dem Snackautomaten

Blockchain & Smart Contracts – Verträge aus dem Snackautomaten

In der Blockchain-Technologie scheint nichts unmöglich – Schlagwörter wie Bitcoin, Ethereum und Smart Contracts schwirren aktuell durchs Netz. Nachdem wir bereits digitale Währungen beleuchtet haben, stellen wir nun die Frage, was so smart an Verträgen auf Basis der Blockchain ist.

Vertrauenswürdig dank Blockchain-Technologie

Wenn die Rede von Smart Contracts ist, spricht man eigentlich von einer Fortentwicklung der Blockchain-Technologie („Blockchain 2.0“). Mit Smart Contracts können Vertragsbeziehungen programmiert und automatisiert werden. Plastisch vergleichbar ist ein Smart Contract mit einem Snackautomaten. Jeder von uns hat schon einmal einen kleinen Snack für Zwischendurch aus dem Automaten gezogen. Funktioniert ganz einfach: Snack auswählen, Tastenkombination eingeben, Geld einwerfen – und zack – landet der begehrte Snack auch schon im Ausgabefach.

Bei Smart Contracts ist es ähnlich. Die Idee dahinter ist, dass Verträge in Soft- und Hardware so dargestellt werden, dass Leistung und Gegenleistung durch die Programmlogik vorgegeben werden. Damit braucht man auch keine menschliche Instanz mehr zur Vertragsdurchführung. Die Vertragsparteien müssen sich auch gegenseitig kein „Vertrauen“ mehr schenken. Man vertraut einfach darauf, dass die Maschine funktioniert. Oder stellen Sie sich vor, wie sie vor einem Snackautomaten stehen und überlegen, ob sie darauf vertrauen können, dass ihr heiß begehrter Snack tatsächlich ausgegeben wird? Nein – sie wissen, dass sie bald ihren Schokoriegel in den Händen halten – vorausgesetzt, die Maschine funktioniert richtig.

Das Vertrauen schafft im Falle der Smart Contracts die Blockchain-Technologie. Jede Transaktion, also jeder Smart Contract wird durch ein Peer-to-Peer-Netzwerk validiert und in einer unveränderlichen Kette von Einträgen festgeschrieben. Die Liste aller Einträge ist dezentral auf allen im Netzwerk befindlichen Rechnern hinterlegt. Jede Transaktion wird damit unabänderlich und transparent – und sicher durch kryptografische Verschlüsselung.

Smart Contracts und ihre Einsatzmöglichkeiten im Alltag

Es gibt eine Vielzahl von denkbaren Einsatzgebieten für Smart Contracts:

Autoleasing: Das Leasing eines Autos ist nur solange möglich, wie die Leasingraten ordnungsgemäß bezahlt werden. Ein Smart Contract, der auf dem Bordcomputer des PKW installiert ist, überwacht mittels einer Schnittstelle zur Bank, ob die fälligen Raten fristgemäß überwiesen wurden. Ist das der Fall, springt der PKW an. Falls nicht, müssen Sie den Bus nehmen.

PrePaid Heizung: Durch den Einsatz entsprechend programmierter Thermostate kann der Bezug von Heizwärme davon abhängig gemacht werden, dass die vorangegangene Wärmeeinheit bezahlt wurde.

Parkplatz: Unser Auto kommuniziert mittels entsprechender Technologien mit dem Parkplatz, um die genutzte Parkzeit automatisch zu bezahlen.

Was versteht man denn nun konkret unter Smart Contracts?

In der Netzcommunity gibt es noch keine allgemein gültige Definition, aber folgende Merkmale sind für ein Smart Contract wesentlich:

  • ein digital prüfbares Ereignis (d.h. Bezahlen der Parkzeit: wahr / falsch),
  • ein Programmcode, der das Ereignis verarbeitet (z.B. im Bordcomputer des PKW),
  • eine rechtliche Handlung, die auf Grundlage des Ereignisses ausgeführt werden kann (z.B. Öffnen der Schranke, um aus dem Parkhaus herauszufahren)

Als Smart Contract kann man also eine Software bezeichnen, die rechtlich relevante Handlungen (auch den tatsächlichen Leistungsaustausch) in Abhängigkeit zu digital prüfbaren Ereignissen setzt (sog.: „Wenn-dann-Schema“).

Und hier finden wir die Verbindung zu unserem Snackautomaten wieder, denn zusammenfassend muss man feststellen, dass Smart Contracts keine Verträge im Rechtssinne sind. Sie dienen vielmehr dem realen Leistungsaustausch von digital referenzierten Gütern. Sie automatisieren den Leistungsaustausch, denn bei einem „Abschluss“ tritt der Austausch der Leistung unter der genau definierten Bedingung ein.

Die Zukunft von Smart Contracts

Neben all den Möglichkeiten stellen Smart Contracts aktuell vor allem eine rechtliche Herausforderung dar, denn wie programmiert man unbestimmte Rechtsbegriffe (z.B. treuwidrig, angemessen) oder Gewährleistungsfälle? Hier braucht es eine menschliche Entscheidung, da solche Fälle nicht mittels einer Programmiersprache „übersetzt“ werden können. Der Erfolg von Smart Contracts hängt von einigen wichtigen Faktoren ab – darunter sind technische (z.B. Ressourcenverbrauch, Beschränkung auf digitale Sachverhalte, etc.) und die rechtliche Herausforderungen (z.B. Fragen der Rechtsdurchsetzung, Datenschutzrecht, Haftung, etc.).

Einerseits ist es also noch ein langer Weg bis Smart Contracts alltagstauglich sein werden. Andererseits eröffnen die Blockchain-basierten Verträge eine große Palette an Möglichkeiten, um in der digitalen Transformation voranzuschreiten.


Über den Autor des Beitrags:

Anna Maliszewski

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