DevOps - Das Märchen von Einhundertundeins Releases

DevOps - Das Märchen von Einhundertundeins Releases

Wenn ich mit meinen Kunden über die Idee von DevOps spreche, ernte ich oft ungläubige Blicke. 100 Produktionsreleases pro Tag? – Unmöglich. Man denkt ich erzählte ein Märchen und deshalb möchte ich auch genau das heute tun.

Wie jedes Märchen beginnt auch unseres vor langer Zeit und handelt von einem Bäcker, der seinem König unermüdlich Brote liefert. Doch der König ist hungrig und die Zeit, die von der Bestellung bis zum Verzehr vergeht, zu lang. Unser Bäcker wird kreativ und findet eine Lösung, um seine Ware schnell, kontinuierlich und qualitativ hochwertig zu liefern.

Das klingt für Sie tatsächlich wie ein Märchen? Nun gut. Aber in unserer Geschichte steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit:

DevOps hilft, die Releasezyklen deutlich zu verkürzen

In der klassischen Welt erfolgen von der Aufnahme der Anforderung, Implementierung, Testing bis zum Release einer Software viele kleinteilige Schritte, um ein qualitativ hochwertiges Produkt zu liefern. Ohne Zweifel sind diese auch nötig – Es ist vor allem die Zeit, die zum Problem für Softwarelieferanten wird: Development- und Operations-Aufgaben sind streng voneinander getrennt. In Silos entwickelt, dauert es oft mehrere Monate, bis ein großes Softwarerelease die „Backstube“ verlässt und beim Kunden landet.

In der agilen Welt sind die Entwicklungsworkflows bereits optimiert:  Anforderungen werden in kurzen Zeiteinheiten abgestimmt und entwickelt. Eine kleinteiligere und schnellere Lieferung wäre möglich. Jedoch sieht das Konzept keine direkte Einbindung von Auslieferung und Betrieb vor. D.h. die Operations-Kollegen stehen noch immer hinter einer Mauer und können nur die Software-Pakete ausrollen, mit denen sie versorgt werden.

DevOps umfasst nun den kompletten Workflow von der Entwicklung über Test,  Deployment und zum Betrieb. Neben einer vollständigen Automatisierung der Prozesse wird auch eine Kooperation aller Verantwortlichen in kleinen, agilen Teams angestrebt. Laut einer Studie des IT-Dienstleisters Puppets, ermöglicht DevOps bei Umsetzung neuer Funktionen und Aufbau neuer Produkte bis zu 200x schnellere Deployments als im klassischen Umfeld – zusätzlich mit dem Vorteil, dass die Mitarbeiter 22% weniger Zeit mit ungeplanten oder sich wiederholenden Aufgaben verbringen.

Automatisierte Prozesse steigern die Qualität

Durch den Geschwindigkeitsgewinn bei der Lieferung neuer Features kann der User neue Softwarefeatures viel schneller testen. Sein Feedback fließt sofort in neue Releases ein. DevOps-Teams sind lt. der Puppet-Studie in der Lage, Fehler 24x schneller zu beheben als das in der klassischen Welt der Fall ist.

Idealerweise ist die Freigabe eines Releases auf der Produktionsumgebung der einzige manuelle Eingriff im kompletten Prozess. Der hohe Automatisierungsgrad hilft, die Fehlerquote drastisch zu senken. DevOps-Teams arbeiten mit einer 3x geringeren Ausfallrate bei Änderungen.

Transparenz und Schnelligkeit durch interdisziplinäre Teams

Kommunikation ist – wie so oft – der Schlüssel zum Erfolg. Auch im Falle unserer Geschichte. Ein DevOps-Team besteht idealerweise aus Knowhow-Träger aus den Bereichen Business, Development und Operations. Damit werden Agilität, Schnelligkeit und Transparenz bei der Entwicklung neuer Features gewährleistet.  Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich die Teammitglieder durch die intensive und durchgängige Arbeit an einem Produkt stärker mit diesem identifizieren.

Der Aufbau von DevOps gelingt jedoch nicht von heute auf Morgen: Mit neuen Denkweisen müssen neue Werkzeuge und Arbeitsmethoden etabliert werden. Die Organisation muss sich bemühen, bisher getrennt laufende Dev- und Ops-Aktivitäten möglichst reibungslos zusammenzuführen. Ein Kulturwandel dieser Art muss durch das komplette Unternehmen getragen werden.

Die Mühe lohnt sich: DevOps ermöglicht nicht nur schnellere und zuverlässigere Softwarefeatures, die die Kundenzufriedenheit erhöhen. Mitarbeiter von Unternehmen, die DevOps einsetzen, sind motivierter und zufriedener: So  empfehlen sie ihren Arbeitgeber an Freunde und Bekannte 2,2x häufiger weiter.


Über den Autor des Beitrags:

Thomas Zühlke

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