Die besonderen Herausforderungen von Multi-Cloud-Szenarien

Die besonderen Herausforderungen von Multi-Cloud-Szenarien
Im vorangegangenen Beitrag zur Studie haben wir gezeigt, dass ein signifikanter Anstieg der Anzahl an durch Unternehmen genutzten Cloud-Lösungen zu erwarten ist. Fast 60% der befragten Unternehmen erwarten den Einsatz von zwei und mehr verschiedenen Cloud-Plattformen. Gleichzeitig hatten die Studienteilnehmer, wie in einem früheren Beitrag gezeigt, angegeben, die „Komplexität der Integration, Verwaltung und Überwachung von multiplen Cloud-Lösungen“ generell als wichtiges Argument gegen eine Cloud-Nutzung anzusehen; 42% sehen diesen Aspekt als „voll oder eher“ zutreffend an, ein weiteres Drittel als „teilweise zutreffend“.

Es steht also zu erwarten, dass mit zunehmender Anzahl an Lösungen mehrerer Cloud-Anbieter auch die Herausforderungen dieser Multi-Cloud-Architektur für die Nutzer steigen. Worin aber liegen diese Herausforderungen genau? Und als wie gravierend werden sie jeweils angesehen? Danach haben wir die Studienteilnehmer explizit gefragt:

Multi Cloud

Dass es nicht „das eine Problem“ pro Multi-Cloud-Nutzer gibt, sondern für die meisten viele der folgenden Punkte relevant sind, lässt sich auch aus diesem offenen Kommentar eines Studienteilnehmers ablesen: „Die Lösungen sollten für einen weltweiten Datenaustausch entwickelt werden. Dies unter Berücksichtigung der Datenschutzverordnungen und Kompatibilität weltweit.“

Allerdings wird die Relevanz der verschiedenen Herausforderungen teils als doch recht unterschiedlich wahrgenommen. Wobei sich das Feld der Studienteilnehmer hier recht einig zu sein scheint – wirklich signifikante Abweichungen gab es weder in einzelnen Branchen noch in bestimmten Unternehmensgrößen. Und auch die Rollen – IT und Fachbereiche – scheinen eine sehr ähnliche Sicht zu haben:

Sicherheits- und Compliance-Risiken

Die Themen „Security“ und „Compliance“ hatten sich bereits bei der generellen Cloud-Nutzung als die wichtigsten Punkte erwiesen, die es zu bedenken gilt.

Wenig überraschend, dass die Studienteilnehmer diese auch hier mit am höchsten gewichten – ist doch die Herausforderung im Falle einer Multi-Cloud-Architektur ungemein größer. Hier geht es nicht mehr nur darum sicherzustellen, dass eine Lösung den Sicherheitsanforderungen entspricht und gesetzliche Regularien, insbesondere der Datenschutz, eingehalten werden. Vielmehr muss es das Ziel sein, Ende-zu-Ende-Sicherheit und -Compliance über verschiedene Cloud-Modelle hinweg zu gewährleisten. Gerade wenn die Cloud-Lösungen nicht vollkommen unabhängig voneinander genutzt werden, sondern auf gemeinsame Datenpools zurückgreifen oder sogar noch enger miteinander integriert werden, ergibt sich ggf. eine ausgesprochen komplexe Architektur.

Bereits eine separate Cloud-Lösung bedeutet oftmals, dass unterschiedlichste Parteien an der „Cloud-Wertkette“ beteiligt sind; man denke z.B. im Falle einer SaaS-Lösung an Rechenzentrum/Co-Location, Infrastrukturbetrieb (plus entsprechende Technologielieferanten), Netzwerk, Applikationsentwicklung und ‑management, Datenhaltung, ggf. zusätzlich Dritt-Software-Anbieter, Implementierungs- und/oder Managed-Services-Partner usw. Und diese Komplexität potenziert sich ggf. in einer Multi-Cloud-Architektur, da gleichzeitig Wechselwirkungen zwischen den Plattformen beachtet werden müssen.

Wie den Überblick behalten?

Diese Komplexität spiegelt sich in der Studie auch in der zweithöchst gewichteten Herausforderung wider, dem „Monitoring über verschiedene Cloud-Modelle hinweg“.

Dieses erschwerte Monitoring ist nicht nur ein Sicherheits- bzw. Compliance-relevantes Risiko. Auch die Überwachung von Verfügbarkeit und Performance sowie die Nachverfolgung von Transaktionen und Ressourcennutzung – von den Infrastrukturen über Datenbanken bis hin zu Web- und mobilen Anwendungen – stellen eine erhöhte Herausforderung dar.

Immerhin versprechen die zahlreichen, sowohl für das Monitoring als auch für das Absichern von Multi-Cloud-Architekturen verfügbaren – nicht selten Cloud-basierten – Tools nicht zuletzt dank des vielversprechenden Einsatzes von künstlicher Intelligenz immer größere Proaktivität und Automatisierung.

Multi-Vendor Management

Natürlich bedeutet der Einsatz verschiedener Cloud-Lösungen von unterschiedlichen Anbietern aber auch ein erschwertes Vendor Management und erhöhte kaufmännische Komplexität, mit jeweils Plattform-eigenen Einkaufs- und Abrechnungsprozessen. Je nach Vertragsbeziehung und strategischer Relevanz der Zusammenarbeit gilt es zudem, verschiedene Provider zu steuern; große Unternehmen bewerten diesen Aspekt entsprechend weit höher als kleinere Unternehmen.

Aber auch schlicht die Anforderung, bzgl. der Angebote der teils extrem schnell innovierenden Anbieter auf dem Laufenden zu bleiben – Amazon Web Services etwa spricht von 1.000 neu eingeführten Features und Services allein im Jahr 2016 – fordert viele Kunden in besonderem Maße. „Das größte Problem in dem Zusammenhang ist die Produkttransparenz“, meint hierzu einer der Studienteilnehmer. Entsprechend sind auch die „Aufwände für Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern“ für fast die Hälfte der Befragten eine sehr große oder große Herausforderung.

Integration bleibt Knackpunkt

Die technische Komplexität eines Multi-Cloud-Managements, insbesondere bezogen auf Interoperabilität und Integrationsfähigkeit verschiedener Angebote, aber auch hinsichtlich der „Datenintegration über verschiedene Cloud-Modelle hinweg“, bleibt eine der Hauptschwierigkeiten aus Sicht der Nutzer. Dies bestätigte auch einer der Studienteilnehmer in folgendem Kommentar: „Ein großes Hindernis ist die Integration bei der Umsetzung von Multi-Cloud. Cloud zu Cloud und Cloud zu Non-Cloud sollte möglich werden. Die Kompatibilität bzw. Interoperabilität zwischen Cloud-basierten Anwendungen und Nicht-Cloud-basierten Anwendungen ist ein großes Problem.“

Die „Analyse von Daten aus verschiedenen Cloud-Lösungen“ hingegen scheint vergleichsweise weniger Kopfzerbrechen zu bereiten. Eine Erklärung hierfür liegt wohl im Charakter der Cloud-Nutzung. Nicht selten werden separate Bereiche oder Prozesse durch dedizierte Lösungen unterstützt, was die Notwendigkeit integrierter Datenanalyse, beispielsweise zwischen Personalabteilung, Vertrieb und Beschaffung, eher gering erscheinen lässt. Allerdings wird dieser Punkt durch erfahrene Nutzer deutlich höher gewichtet als durch weniger erfahrene.

Erfahrung vs. Erwartung

„Latenzen bei übergreifenden Softwarelösungen“ scheinen ein Problem zu sein, welches in der Praxis durchaus eine reelle Herausforderung darstellt. Studienteilnehmer mit Cloud-Erfahrung gewichten diesen Punkt gegenüber solchen, die sich erst in der Planung befinden, überdurchschnittlich hoch.

Auch die Gewährleistung von Ende-zu-Ende-Security wird durch erfahrene Cloud-Nutzer höher bewertet als durch solche, die den Einsatz erst planen. Die Einhaltung von Compliance-Vorgaben hingegen wird von weniger erfahrenen Nutzern höher gewichtet als durch erfahrene.


PAC Studie Multi Cloud Deutschland
Übersicht zu den Teilnehmern der PAC-Studie "Multi-Cloud in Deutschland"

Über den Autor des Beitrags:

Karsten Leclerque

 

 

Über PAC – a CXP Group Company:

Pierre Audoin Consultants (PAC) wurde 1976 gegründet und gehört seit Juni 2014 zur CXP Group, dem führenden unabhängigen europäischen Marktanalyse- und Beratungsunternehmen für die Software- und IT-Dienstleistungsindustrie sowie für Themen rund um die digitale Transformation. Wir bieten unseren Kunden umfassende Support-Services in der Bewertung, Auswahl und Optimierung ihrer Softwarelösungen sowie bei der Bewertung und Auswahl von IT-Dienstleistern und begleiten sie bei der Optimierung ihrer Sourcing- und Investitionsstrategien. Die CXP Group begleitet IKT-Entscheidungsträger bei ihrer digitalen Transformation. Schließlich steht die CXP Group Software- und IT-Dienstleistungsanbietern mit quantitativen und qualitativen Analysen sowie strategischer und operativer Beratung bei der Optimierung ihres Go-to-Market-Ansatzes zur Seite. Auch öffentliche Einrichtungen vertrauen bei der Entwicklung ihrer IT-Richtlinien auf unsere Studien. Mit 40 Jahren Markterfahrung, 17 Niederlassungen in weltweit 8 Ländern und 140 Mitarbeitern unterstützt die CXP Group jährlich mehr als 1.500 IKT-Entscheidungsträger und die operativen Unternehmensbereiche sowohl großer als auch mittelständischer Unternehmen und deren Provider. Die CXP Group besteht aus drei Gesellschaften: Le CXPBARC (Business Application  Research Center) und Pierre Audoin Consultants (PAC). Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf www.pac-online.com und folgen Sie uns auf TwitterLinkedIn oder unserem Blog.

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