So entwickeln wir Innovationen – Intrapreneurship und Showcases

So entwickeln wir Innovationen – Intrapreneurship und Showcases

 

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: „Die eine“ Innovationsstrategie oder Managementpraxis, die für alle Innovationsziele einer Organisation zum Erfolg führt, gibt es nicht. Viel mehr hängt die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens von der individuellen "Innovations-DNA" ab.

Basierend auf zwei wichtigen Erkenntnissen möchten wir einen Einblick in unsere eigene Innovations-DNA geben und zeigen, wie wir digitale Innovationen aktiv vorantreiben. Bevor wir jedoch zu den wichtigsten Erkenntnissen (dem „Wie") kommen, lassen Sie uns mit unserem Verständnis von "Digitaler Innovation" selbst beginnen (dem „Warum").

The Why – Warum Innovationen entwickelt werden

Es gibt eine Vielzahl von Perspektiven, um Innovationen zu erklären und zu sortieren. Eine unserer favorisierten Perspektiven basiert auf der "Ambidextrous Organization" (also der „beidhändigen“ Organisation“). Mit dieser Theorie wird die Notwendigkeit zweier organisatorischer Fähigkeiten und den dazugehörigen Managementpraktiken erläutert:

  • Erforschen (z.B. zur Inkubation neuer Geschäftsmodelle) und
  • Ausschöpfen (z.B. um im bisherigen Geschäft besser zu werden).

Inkubationszone; Performancezone; Transformationszone; Produktivitätszone; Inkubation

 

Die „Organizational Fields of Action“ – inspiriert von "Zone to Win" von Geoffrey Moore – konkretisiert dies weitergehend in vier organisatorische Handlungsfelder, wobei die obere Reihe dem "Ausschöpfen" und die untere Reihe dem "Erforschen" entspricht.

Die Inkubationszone

Neue digitale Wege zur Wertschöpfung werden in der "Inkubationszone" beschritten.

Um hier die richtigen Mittel zur Innovation identifizieren zu können, ist es unerlässlich, das "Wofür" genau zu kennen. Der Antwort hierauf ergibt sich, wenn man die Inkubationszone im jeweiligen Kontext der anderen drei Zonen betrachtet.

Im Kontext der Performance Zone

In der Performancezone geht es um Innovationen für Geschäfte, die sich bereits in einem Maturity-Reifegrad befinden. In unserem eigenen Fall können wir hier beispielsweise an die Bereitstellung von Infrastrukturleistungen und darauf aufbauende Managed Services auf Basis der Public und Private Clouds denken.

Die Inkubation von Innovationen bedeutet in diesem Kontext, fortwährend effizienter zu werden und das Geschäftsmodell kontinuierlich zu verbessern. Dies kann zum Beispiel mittels Automatisierung durch Künstliche Intelligenz oder Robotic Process Automation (RPA) geschehen.

Im Kontext der Transformation Zone

In der Transformationszone geht es um Geschäfte, die in absehbarer Zeit das Ende ihres Lebenszyklus erreichen werden, deren Kernkompetenz jedoch in etwas Neues überführt werden kann.

Dies könnte z.B. das Management von SAP-Anwendungen für B2B-Kunden in traditionellen Rechenzentren sein. Die Inkubation von Innovation kann in diesem Fall bedeuten, die Fachbereiche darin zu unterstützen, ihre Managed Application Services stattdessen auf Public oder Private Cloud-Plattformen anzubieten.

Im Kontext der Productivity Zone

In der Produktivitätszone geht es neue digitale Geschäfte und Wachstumsoptionen, die sich in der Regel in skalierenden Produkt- oder Plattformangeboten manifestieren.

Die Inkubation von Innovationen bedeutet hier, systematisch fachliche Geschäftsideen mit neuen technologischen Möglichkeiten zu vernetzen, entsprechende Ansätze schrittweise zu verproben und in diese anschließend über geregelte Business Cases in den Maturity-Reifegrad zu überführen.

Warum diese Unterscheidung?

Nun, je nach betrachteter Zone kann das "How to Innovate" sehr unterschiedlich ausfallen.

Bitte beachten Sie daher, dass sich unsere folgenden Schlüsselerfahrungen für diesen Artikel in erster Linie auf die externe Wertsicht, d.h. die Inkubation für die Productivity Zone, beziehen.

The How – Wie Innovationen entwickelt werden

Wer bei Google nach "How to do innovation management" sucht, findet eine schier unendliche Anzahl von Best Practices und Gestaltungsvorlagen.

Viele von diesen haben wir ausprobiert, um zu sehen, was am besten zu unserer "Innovations-DNA" passt. Zwei wichtige Erkenntnisse sind aus diesen Experimenten entstanden, die sich in unserer aktuellen Innovationsstrategie manifestieren und die wir in diesem Artikel mit Ihnen teilen möchten.

Intrapreneurship; Intrapreneure; Showcases; MVP

Intrapreneurship

Zunächst stellt sich die Frage, was idealerweise im Mittelpunkt der Innovationsstrategie stehen sollte: die gute Geschäftsidee oder der Mitarbeiter, der seine Idee umsetzen will? Die (aus unserer Sicht) richtige Antwort klingt erst einmal offensichtlich: Es sollte der Mitarbeiter in seiner Rolle als interner Unternehmer (Intrapreneur) sein.

Warum? In der organisatorischen Realität gibt es normalerweise keine „magische Produktentwicklungsfabrik“, in der gute Ideen eingekippt werden und anschließend erfolgreiche digitale Produkte herauskommen.

Nach unserer Erfahrung ist es immer ein Intrapreneur, der für seine Idee kämpft und dabei auch Aufgaben übernimmt, die sonst nicht in seiner Rollenbeschreibung liegen. Ohne den Einsatz und die Leidenschaft dieses Einzelnen bleibt die Idee allein oft wertlos.

Innovationsmanagement mit Fokus auf den Intrapreneur

Auf den ersten Blick ist diese Einschätzung durchaus nachvollziehbar. Aber wie sieht´s im Geschäftsalltag aus?

Als typischer Innovationsmanager fragt Sie Ihr Chef nicht, wie vielen Intrapreneuren Sie zuletzt geholfen haben, sondern eher, welche Innovationen sich in der Phase XY befinden, wie viele Innovationsworkshop Sie durchgeführt haben und wie viele Ideen in der Pipeline sind.

Dabei hat eine Fokussierung von Menschen enorme Auswirkungen auf die Gestaltung des Innovationsmanagements. In diesem Fall entwerfen Sie nämlich in erster Linie zentrale Services, die den Intrapreneuren dabei helfen, erfolgreich zu sein. Mit Fokus auf Geschäftsideen würden Sie Ihren Fokus auf der Entwicklung von Prozessen, Standardisierung, Auswahlkriterien und Quality Gates legen - und damit Gefahr laufen, an der Kernherausforderungen vorbei zu arbeiten.

Unsere Empfehlung: Fokussieren Sie den Intrapreneur!

Showcases

Nehmen wir nun an, Sie haben potenzielle Intrapreneure in Ihrem Unternehmen gefunden. Was sollen diese nun machen?

  1. Sie sollen wie Startups vorgehen und mit Pitch Decks das Top Management begeistern.
  2. Sie sollen als erstes Business Cases mit fundierter Dreijahresplanung erstellen.
  3. Sie sollen Ihre Ideen erstmal als „Business Model Canvas“ skizzieren und in der internen Innovation Community challengen.

Wenn in Ihrem Unternehmen auch kleinste Investitionsentscheidungen vom Top-Management genehmigt werden müssen, sind die Optionen 1 und 2 grundsätzlich gute Ideen. Wahrscheinlich führt das aber auch dazu, dass Sie regelmäßig „Höhle der Löwen“-Events planen und durchführen müssen. Dort können die Intrapreneure Ihre Pitches vor der Top-Management-Jury vorstellen und die Top-Cases erhalten bestenfalls die Finanzierung der ersten Schritte. Hier geht jedoch viel Zeit verloren.

Die dritte Option ist eine gute Möglichkeit, Mitarbeiter auf breiter Basis in Innovationsthemen einzubeziehen. Dem Intrapreneur hilft das allerdings nur selten, seine Idee zügig zu validieren. In unserem Fall entstehen die meisten Innovationen im Kontext eines bestimmten vertikalen Wissensbereichs, wie bspw. Utilities, Media & Entertainment oder Retail. In diesem Fall sollten eher die Kunden und nicht die eigenen Mitarbeiter befragt werden.

Mit Minimal Viable Products (MVP) schnell Sichtbarkeit erlangen

Showcases sind eine vierte Möglichkeit. Showcases sind digitale Prototypen oder Minimal Viable Products (MVP), in denen überschaubare Investitionen getätigt werden, um auf eine greifbare Art und Weise zu zeigen, wie innovative Technologien branchenspezifische Herausforderung konkret lösen.

Unsere Intrapreneure können schnell mit der Realisierung ihrer Showcases beginnen, wenn die folgenden Fragen erfolgreich beantwortet werden:

  • Gibt es einen Strategic Fit zu unserer Unternehmensstrategie und den Fokusthemen der Innovationsstrategie?
  • Werden Kunden (oder Partner und Start-ups) von Beginn an einbezogen? Auf welche Weise?
  • Ist das Mehrwertversprechen klar definiert? Welches und wessen Problem ist genau zu lösen?

Showcases sind großartige Werkzeuge für viele Zwecke:

  • Sie wollen Partner und Start-ups im Sinne von Open Innovation integrieren? Sprechen Sie über konkrete, gemeinsame Showcases!
  • Ihre Talente brauchen neue Herausforderungen? Lassen Sie sie Showcases gestalten!
  • Wollen die Mitarbeiter in neuen Technologien geschult werden? Lassen Sie sie Showcases implementieren!
  • Sie wollen am Markt als „Thought Leader“ wahrgenommen werden? Zeigen Sie Ihre Showcases!
  • u.v.m.

Mit Showcases können Sie nicht scheitern

Das Beste daran: mit Showcases können Sie nicht scheitern. Selbst wenn sich die zugrunde liegende Geschäftsidee als Irrtum erweis: Zumindest haben Sie etwas Neues gelernt, können die Anwendung einer neuen Technologie demonstrieren und haben idealerweise eine Kunden- oder Partnerbeziehung gestärkt.

Ein Showcase ist auch der ideale Abschluss der Inkubationszone. Im Worst-Case können Sie das Thema guten Gewissens abmoderieren. Im Best Case haben Sie nun die perfekte Grundlage für den Start der professionellen Produktentwicklung in der Produktivitätszone, da Sie durch die Learnings während der Showcase-Entwicklung die meisten Planungsunsicherheiten beseitigen konnten.

Übrigens – Showcase-basierte Innovationsstrategien sind durch Cloud Native Software Development erst wirklich (kaufmännisch) sinnvoll geworden: Die Architekturrevolution in der Anwendungsentwicklung ermöglicht es zwischen 65 und 90 Prozent Kosten einzusparen. Damit können selbst kleine Investitionen für große Showcases sorgen.

Wrap-Up

Dieser Artikel gibt einen kleinen Einblick in das Handling der Inkubationszone unserer Innovationsstrategie. Wenn Sie vor ähnlichen Herausforderungen stehen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, um die Details zu erfahren.


Über den Autor des Beitrags:

Martin Weitzel

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