,

Wie die Public Cloud die IT-Organisation von Unternehmen grundlegend verändert

Wie die Public Cloud die IT-Organisation von Unternehmen grundlegend verändert

 

Die Trends der letzten Jahre für IT-Organisation schwanken zwischen zwei Polen: Outsourcing und -Insourcing bzw. Backsourcing. Die anhaltenden Diskussionen über die optimale Organisationsform der IT unterstreichen einerseits die wachsende Rolle der Technologie für jede Form von Business. Andererseits spiegeln sich hier auch steigende Anforderungen an das Know-How und die Einsatzbereiche von IT-Mitarbeiter. Wie so oft wirkt die Public Cloud auch hier als Katalysator.

Wie ist die klassische IT-Organisation heute aufgestellt?

In deutschen Unternehmen (Umsatz > 100 Mio. €) stehen durchschnittlich 20 Mio. € im Jahr für die IT-Abteilungen zur Verfügung. Klassischerweise besteht diese aus drei Hauptbereichen: Data Center, Applikation Support und Applikation Development, denen je ca. 16 bis 21 % des IT-Budgets zustehen.

  • Im Data Center werden z.B. Datenbanken gepflegt, Backups organsiert und Applikationen für die Nutzer bereitgestellt.
  • Das Applikation Development entwickelt neue Anwendungen oder passt vorhandene Software auf aktuelle Anforderungen an.
  • Weitere Aufgaben lösen Unternehmen mit Teams für Data Network, Help Desk, Application Support, Voice Network sowie der Einheit für Desktop und Peripheriegeräte.
  • Als Querschnittsabteilungen halten Finance, Management und Administration die Wirtschaftlichkeit der IT im Auge.

Viele dieser Aufgaben verändern sich durch den Einsatz der Public Cloud erheblich und sorgen damit für eine völlige Neuordnung der IT-Landschaft in deutschen Unternehmen.

Wie verändert die Public Cloud die Aufgaben und Relevanz der IT-Organisation?

Einfach ersetzen? Ohne Einbußen bei Qualität oder Verfügbarkeit? Für die bisherigen Fachbereiche Data Center, Data Network und Voice Network wird das dank der Public Cloud-Angebote bald zur Realität. In den Bereichen Application Support und Application Development ist dank Cloud-Technologien sogar mit einer Effizienzsteigerung zu rechnen. Für die weiteren Bereiche von IT-Organisationen können wir uns folgende Szenarien vorstellen:

IT-Help Desk

Im direkten Kontakt mit den Endanwendern wird der Einsatz von Cloud-Technologien an den sichtbaren Prozessen nur wenig ändern. Zwar helfen Chatbot- oder Self-Service-Elemente, einen Teil der Aufgaben zu automatisieren, die individuelle Betreuung der User durch Fachkräfte wird jedoch bei vielen Fragen unabdingbar bleiben.

Application Management und Maintenance

Bei Verwaltung und Pflege der im Unternehmen eingesetzten Software lassen sich mit der Public Cloud hohe Einsparungen erzielen: Durch Cloud-Lösungen optimierte Prozesse während der Softwareentwicklung sowie der Administration von Anwendungen kann die gleiche Anzahl von Mitarbeitern eine höhere Leistung erzielen. Das funktioniert nur dann, wenn entsprechend integrierende Methoden eingesetzt und kulturelle Veränderungen berücksichtigt werden. (Mehr zu Kulturwandel und DevOps finden Sie hier.)

Server Management und Rechenzentrum

Die gravierendsten Auswirkungen der Public Cloud auf unsere IT-Organisationen werden ohne Frage in den Bereichen Server Management und Rechenzentrumsbetrieb sichtbar.

Mit dem Einsatz cloud-basierter as-a-Service-Lösungen werden die Aufgaben des Server Managements praktisch komplett ausgelagert. Während bei IaaS (Infrastruktur als Service) bspw. das Einspielen von Patches oder regelmäßige Anti-Viren-Scans durchaus bei der Inhouse-IT verbleiben, übernehmen die Hyperscaler diese Tasks in den Ausbaustufen SaaS (Software als Service) und PaaS (Platform as a Service) vollständig.

In jedem Fall entfällt die Beschaffung von Hardware. Für eigens betriebene Rechenzentren wird es zwar eine Übergangszeit geben. Absehbar ist allerdings, dass auch dieses komplett durch die Cloud disrupiert wird. Ausnahmen bilden möglicherweise einzelne Inseln mit einer dezentralen Datenverarbeitung, bspw. Edge Computing für Prozesse an Maschinen oder Steuerungseinheiten.

Desktop Services

Viele der herkömmlichen Funktionen können durch die Cloud-Anwendungen reduziert werden. Dafür kommen neue Funktionen wie die Betreuung von IoT-Devices oder VR-Brillen hinzu. Der Gesamtaufwand im Vergleich zu bisherigen Lösungen wird konstant bleiben.

Network Management

Ohne Rechenzentren und eigene Server verliert die Betreuung der Netzwerke an Bedeutung. Im Office-Bereich mit angeschlossener Peripherie wie Druckern, Scannern und weiteren Geräte sind weithin reibungslos funktionierende Netzwerke allerdings nach wie vor immens wichtig.

Applikation Development

Dass Unternehmen ihre eigene Software entwickeln, stellt auch in Zukunft einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar. Mit dem Einsatz von Cloud-Technologien sollten die Akteure hier zusätzlich gestärkt werden: Sie sind es, die interne Prozesse verbessern, Innovationen voranzutreiben und entscheidende Wettbewerbsvorteile für das Unternehmen erarbeiten.

Welche Aufgaben kommen auf die IT-Organisation der Unternehmen zu?

Die Ergebnisse (u.a. gestützt durch Studien wie diese von Bitcom) zeigen, dass für einige Teile der IT-Organisation keine eklatanten Änderungen eintreten werden. Andere Bereiche müssen durch die steigende Komplexität mit mehr Aufwand rechnen. Im Großen und Ganzen kann der Einsatz einer Public Cloud mit einer Art IT-Outsourcings verglichen werden.

Die durch Public Cloud bedingten, neuen Aufgaben sollten auf alle Fälle unter einem klaren strategischen Fokus betrachtet werden. Sie sind zentral in der Obhut der Vorstände anzusiedeln, um eine Integration der Innovationen in das Gesamtkonzept des Unternehmens sicherzustellen.

Welche Teile der IT-Organisation werden also durch den Einsatz Public Cloud-Umfeld besonders stark ausgelastet?

IT-Innovationsmanagement

Innovationsmanager können sich jetzt schon auf eine Zunahme ihrer Aufgaben einstellen: Die neuen Lösungen benötigen eine fachlich kompetente Einschätzung und Beurteilung. Auch die eigentliche Implementierung muss mit den Fachabteilungen abgestimmt und gesteuert werden.

Supplier Management

Beim Lieferantenmanagement wird sich der Aufwand der IT-Organisation insgesamt nur wenig ändern. Allerdings geht der Fokus von der Lieferung der Hardware hin zur Lieferung bzw. Bereitstellung von Software und Dienstleistungen. Die Standardverträge werden seltener. Dafür wird die Integration der Fachabteilungen in alle Entscheidungsprozesse immer wichtiger, was ein klar strukturiertes Regelwerk für die Vertragsschlüsse voraussetzt. Statt weniger großer Supplier wird es mehr kleine Supplier geben.

IT Governance

Das Thema Datenschutz wird durch die Nutzung von Cloud Computing essenziell wichtig, um die Sicherheit der Unternehmensdaten zu gewährleisten. Diese Abteilung sieht sich vor neue Aufgaben gestellt. Zum Beispiel ist unbedingt zu klären, wem die Daten bei den jeweiligen Providern gehören, welche Governance-Prozesse beachtet werden müssen (z.B. Starter Changer Leaver) und welche technischen Spezifikation in jedem Fall eingehalten werden müssen.

IT Architektur

Um externe Technologien sinnvoll in die bestehenden Unternehmensprozesse einzubinden, werden erfahrene Softwarearchitekten unabdingbar. Ihnen fallen durch die Public Cloud mehr Aufgaben zu –dafür sparen sie künftig Zeit bei der Pflege der Infrastruktur.

IT Security

Die Sicherheit von IT verschiebt sich weg von einer physischen Zugangskontrolle zu Rechenzentrum oder Servern hin zu softwarebasierten Sicherungstechniken. Der Aufwand dafür dürfte in etwa gleich bleiben.

IT Controlling

Statt der Kostenkontrolle für die Inhouse-Lösungen werden vermehrt die Kosten für Cloud-Technologien auf der Liste der Controller erscheinen. Die Nutzung von dynamischen Ressourcen und ad hoc-Buchungen steigert die Komplexität im Controlling. Dafür nimmt die Anzahl der Kostenverrechnungen von IT-Abteilung und Fachbereichen sukzessive ab.

IT Projektmanagement

Das reine IT-Projektmanagement wird zukünftig für die meisten Aufgaben entfallen. Statt dessen werden die Projektleiter aus den Fachbereichen oder direkt aus der IT-Anwendungsentwicklung rekrutiert werden. Langfristig entfällt eine zentrale Projektmanagementabteilung – und geht in den einzelnen Fachbereichen auf.

Was bedeuten diese Aussichten für die Zukunft der Unternehmen?

Die Public Cloud sorgt in vielen Unternehmen für bessere Prozesse. Die Agilität steigt nachhaltig, da neue Technologien schnell und direkt verfügbar sind. Bestimmte Applikationen können bspw. nur zeitweise genutzt werden, bis ein Projekt beendet ist. Werden für das nächste Projekt andere Applikationen benötigt, schwenkt man ohne Zeitverzug und zusätzliche Kosten einfach um. Damit können Unternehmen sehr flexibel auf den Markt reagieren – vorausgesetzt, sie haben sich vorab mit den entsprechenden kulturellen und organisatorischen Herausforderungen auseinandergesetzt.

Und eine der Kernherausforderungen besteht darin, aus den Veränderungen der IT-Organisation den Mitarbeitern – ausgehend von ihren aktuellen Aufgaben und Fähigkeiten – Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu bieten und so den Übergang in die Public Cloud Schritt für Schritt zu managen.


Über den Autor des Beitrags:

Christoph Bäckeralf

 

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.