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SAP on Azure: Liebesehe oder Zwangsheirat?

SAP on Azure: Liebesehe oder Zwangsheirat?
Eine strategische Allianz zwischen Microsoft und SAP besteht seit längerem. Nun vertiefen die Unternehmen ihre Zusammenarbeit im Bereich der Public Cloud. Wir analysieren die Kooperation und fragen, welche Vorteile sich für SAP-Kunden ergeben.

Während Amazons jährlichem Anwendertreffen Re:Invent in Las Vegas, verkündeten SAP und Microsoft, dass sie künftig im Public Cloud-Bereich noch enger zusammenarbeiten wollen.

Details zur Allianz von SAP und Microsoft

So wird Microsoft die im Haus verwendete Software auf S/4 Hana Finance umstellen. Im Gegenzug migriert SAP intern verwendete businesskritische Anwendungen nach Azure. Einige SAP SaaSe wie Successfactor laufen bereits hier – Produkte wie Concur werden folgen. Auch eine Umstellung der Hana Enterprise Cloud (HEC) auf Azure ist Teil der Absprache. Zukünftige Neuentwicklungen wird SAP wohl auch stärker denn je auf die Public Cloud Plattform von Microsoft ausrichten.

Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit

Diese Allianz ist allerdings nicht wirklich neu: SAP und Microsoft arbeiten bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten sehr intensiv zusammen und unterhalten am Hauptsitz des Partners eigene Technologieteams, um sich gegenseitig zu unterstützen. SAP gilt als einer der größten Reseller für SQL-Server-Lizenzen. Microsoft ist ein sehr großer Abnehmer für SAP-Software und setzt diese auch intern ein.

Eat your Own Dogfood

Microsoft ist damit im Augenblick der einzige Hyperscaler, der seine internen SAP-Systeme in der eigenen Cloud nutzt. Auch der Umzug der HEC in die Azure Cloud lässt vermuten, dass im Gegensatz zu anderen Public Cloud-Anbietern Probleme frühzeitig erkannt und abgestellt werden. Bugs treten nicht erst beim Endkunden auf, sondern werden durch SAP oder Microsoft im Rahmen der eigenen Nutzung frühzeitig entdeckt und beseitigt.

Szenarien und Vorteile

Sandbox Systeme, Produktionssysteme, Disaster Recovery, Archivsysteme
Cloud Szenarien - SAP on Azure

Die schlechten Nachrichten zuerst: Sprechen wir von SAP on Azure geht es – analog zu den anderen Public Cloud-Anbietern – nicht um die Liefermodelle PaaS oder gar SaaS, sondern um die Bereitstellung einer zertifizierten Infrastruktur – also IaaS. Doch auch hier kann die Public Cloud die zahlreichen Vorteile gegenüber einem Eigenbetrieb ausspielen.

DEV/Test Systeme

Je nach Einsatzgebiet der Systeme ergeben sich ganz neue Perspektiven und auch teils enorme Potentiale für Kosteneinsparungen. So gibt es nahezu in jedem Unternehmen Systeme, die sehr unregelmäßig für Schulungen oder Tests vorgehalten werden und auf die – gemessen an der Gesamtlaufzeit – so gut wie nie zugegriffen wird. Oftmals wird für diese Systeme eigene Hardware vorgehalten. Verbunden mit einer sehr kurzen Bereitstellungszeit und einem nutzungsabhängigen Preismodell empfiehlt sich für diese Systeme ein Umzug in die Cloud und ein Start/Stop vor und nach dem Erfüllen des jeweiligen Zweckes.

Gleiches gilt für Projektsysteme, die zeitlich begrenzt z. B. für Anhebungen benötigt werden. Hier spielt auch die Flexibilität in der Cloud eine große Rolle, wenn sich etwa Tests verzögern und die Hardware eigentlich schon für weitere Migrationsläufe o.ä. benötigt wird. So geraten üblicherweise Projekte in Verzug, da die geplanten Arbeitspakete erst später in Angriff genommen werden können. In Public Cloud-Szenarien gibt es diese Limitierungen nicht: Man fährt schlicht eine weitere Instanz hoch und kann beide Arbeitspakete parallelisieren.

Produktionssysteme

Auch beim Betrieb der Produktionssysteme hat die Cloud großes Potential. Viele SAP-Systeme sind so gesizt, dass sie in Hochlastzeiten (z. B. Monatsabschlüssen, Black Friday, etc.) die entsprechende Performance bieten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Systeme die meiste Zeit nicht ausgelastet sind. Teure Hardware wird umsonst vorgehalten. In den Public Cloud-Szenarien können in Zeiten mit erhöhter Last entsprechende Kapazitäten hinzugebucht werden. Das Prinzip greift auch, wenn bspw. im Rahmen einer Systemumstellung auf HANA zugunsten der Performance zu groß dimensionierte Maschinen angeschafft werden. Im Normalfall kann diese Entscheidung nicht mehr korrigiert werden. Auf Azure lassen sich die Maschinen jedoch nachträglich anpassen. Gleiches gilt, wenn aufgrund unvorhergesehener Ereignisse die Größe der Systeme sprunghaft anwächst. Selbst bei kostensparenden „Reserved Instances“ kann die Größe der Systeme nachträglich angeglichen werden.

Disaster Recovery und Georedundanz

Ein weiterer interessanter Mehrwert der Public Cloud ist die Möglichkeit ohne große Zusatzkosten Disaster Recovery-Systeme bereitzustellen, die im Notfall den Produktivbetrieb übernehmen. Damit wird auch bei Problemen im eigenen Rechenzentrum ein hohes Maß an Ausfallsicherheit gewährleistet. Verbunden mit der Möglichkeit, diese in mehr als 40 Regionen weltweit bereitzustellen, ergeben sich hier nicht nur traumhafte Möglichkeiten hinsichtlich der Georedundanz, sondern auch eine interessante Möglichkeit bei weltweit verteilten Standorten die Latenzzeiten für die Systemzugriffe regional zu optimieren.

Archiv

In der Azure Cloud profitiert man von günstigen Preisen für Archivstorage und der Möglichkeit, Daten und Systemstände revisionssicher abzulegen. Bei Bedarf können diese kompletten Systeme mit Datenständen zu einem bestimmten Zeitpunkt lesend hochgefahren werden. Auch hier gilt, dass lediglich der Storage bezahlt werden muss. Nur bei Bedarf werden Kosten für das hochgefahrene SAP System nutzungsbasiert abgerechnet.

Viele Wege führen in die Cloud

Wenn Sie sich in den beschriebenen Szenarien wiederfinden, geht es um die Klärung der Frage: „Wie komme ich in die Cloud?“

Alleine Microsoft skizziert vier unterschiedliche Wege, um SAP Systeme in die Azure Cloud zu heben. Dies hängt neben zahlreichen weiteren Faktoren auch von Ihren IT-strategischen Überlegungen und der individuellen SAP Roadmap ab. Einen allgemein gültigen Weg, der bei jedem Kunden gleich erfolgreich ist, gibt es nicht. Daher ist es umso wichtiger, sich einen Implementierungspartner zu suchen, der neben Microsoft Azure auch Erfahrungen mit SAP-Systemen aufweist. Idealerweise ist er auch SAP Partner und plant mit Ihnen gemeinsam den idealen Weg in die Cloud.

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, Teile des Basisbetriebs auszulagern, empfiehlt sich ein Microsoft Partner, der basierend auf Azure auch Managed Services für SAP-Systeme anbietet.

Last but not Least ist die Transition Ihrer Systeme in die Cloud der erste Schritt um das volle Potential der Cloudtechnologien in SAP nutzen zu können. Je nach Schwerpunkt Ihrer Aktivitäten empfiehlt sich ein Partner, der erfahren ist in den Cloud Kompetenzfeldern IoT, Blockchain, Cognitive und Bots und Robotics Process Automation (RPA).


Über den Autor des Beitrags:

Markus Krenn

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