Zwischen Hype und Ablehnung – Wo stehen wir tatsächlich? Status Quo der Cloud-Nutzung in Deutschland - Teil 1: IaaS/ PaaS

Zwischen Hype und Ablehnung – Wo stehen wir tatsächlich? Status Quo der Cloud-Nutzung in Deutschland - Teil 1: IaaS/ PaaS
Deutsche Unternehmen geben weniger Geld für Cloud-Dienstleistungen aus als internationale Wettbewerber. Trotzdem wird das Thema in den Managementetagen heiß diskutiert. Wo stehen wir in Deutschland hinsichtlich der Cloud-Nutzung? Die PAC-Studie "Multi-Cloud in Deutschland" gibt Antworten.

Wo stehen wir in Deutschland hinsichtlich der Cloud-Nutzung? Laut internationaler PAC-Studien machen Investitionen in Cloud- und Cloud-bezogene Services beispielsweise in den USA bereits ca. 60% der gesamten Ausgaben für IT-Dienstleistungen aus, in Großbritannien über 50%. In Deutschland dagegen, ebenso wie in vielen anderen kontinentaleuropäischen Ländern, liegt dieser Anteil nach wie vor bei unter 40%.

Andererseits steht Cloud Computing auch hierzulande ganz oben auf der Agenda der Entscheider. Im Zuge der aktuellen Studie haben wir die Unternehmensentscheider gefragt, in welchen Bereichen die Unternehmen heute Cloud-Infrastruktur einsetzen, dies planen oder den Einsatz zumindest diskutieren:

PAC Studie Multi Cloud, Private, Public, Hybrid Cloud

IaaS und Cloud-Hosting fest etabliert

Der Bezug von Infrastructure as a Service, in Form von Server und/oder Speicherkapazität, ist bei Weitem am verbreitetsten. Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Großunternehmen, und nur etwas weniger als die Hälfte der kleineren Unternehmen, beziehen derzeit IaaS aus der Cloud. Größere Unternehmen scheinen hier momentan etwas weiter zu sein, doch der Mittelstand holt auf: 37% der kleineren Unternehmen planen oder erwägen die IaaS-Nutzung.

Und was nicht weniger aussagekräftig ist: gerade einmal 16% der Befragten schließen eine IaaS-Nutzung kategorisch aus – ein Wert, der noch vor wenigen Jahren ein Vielfaches betrug. Die strikte Ablehnung des Cloud-Modells gehört also in den meisten Unternehmen definitiv der Vergangenheit an.

Bezüglich der Nutzung von Cloud-Infrastrukturen für das Hosting von komplexeren Unternehmens­anwendungen zeigt sich fast ein Drittel der Befragten kritisch. Nichtsdestotrotz nutzt bereits ein Drittel der Unternehmen die Cloud zu diesem Zweck, und das Interesse, auf dieses Modell umzusteigen, ist signifikant. Insbesondere – aber nicht ausschließlich – im Falle von Großunternehmen ist die extern betriebene Private Cloud oft eine Weiterentwicklung des traditionallen Anwendungs-Hostings, das gemäß des Cloud-Paradigmas transformiert wurde.

Heute stellt sich also nicht mehr die Frage, ob sich Unternehmensentscheider mit dem Cloud-Modell auseinandersetzen, sondern für welche Form der Nutzung sie sich entscheiden:

PAC Multi Cloud Studie, Public, Digitale Geschäftsmodelle, Big Data, Server, IoT, Webhosting

Private Cloud dominiert in allen Anwendungsbereichen, Hybrid ist auf dem Vormarsch

PAC schätzt, dass deutsche Unternehmen derzeit mehr als doppelt so viel in den Betrieb interner Private Clouds investieren wie in externe Cloud-Plattformen. Und von den Ausgaben für externe Cloud-Infrastrukturen entfallen wiederum fast 70% auf extern betriebene Private Cloud-Services. Die Befragung hat diese Dominanz des Private-Cloud-Modells in Deutschland Use-Case-übergreifend bestätigt.

Angesichts der nach wie vor verbreiteten Vorbehalte gegenüber Cloud-Angeboten – auf die an späterer Stelle noch im Einzelnen eingegangen werden wird – ist dies nicht weiter verwunderlich. Und bis zu einem gewissen Grad kann auch eine interne IT-Infrastruktur über Virtualisierungs- und Automatisierungs-Technologien dynamisch bereitgestellt werden. Die annähernd unlimitierte Skalierbarkeit externer Cloud-Anbieter wird eine Unternehmens-IT jedoch nur schwer abbilden können, und auch bei den Kosten dürften nur selten ähnliche Skaleneffekte realisierbar sein. Dies gilt umso mehr für besonders rechenintensive Operationen oder auch für selten auftretende Lastspitzen, etwa für Jahresabschlüsse, Simulationen oder Marketingaktionen.

Dementsprechend rasant ist die Enwicklung in Richtung der Public Cloud. Machte das Public-Cloud-Modell im Jahr 2015 noch kaum 20% der gesamten Cloud-Services-Umsätze in Deutschland aus, wird dieser Anteil laut PAC-Schätzungen bis 2020 auf über 40% ansteigen.

Aber wie die Befragung bestätigt: oft wird eine hybride Cloud-Architektur, also ein Mix aus Private und Public Cloud, als Königsweg betrachtet, um die realisierbaren Vorteile des Cloud-Modells bestmöglich auszuschöpfen.

Datenanalyse findet intern statt

Ein Viertel der Unternehmen setzt im Bereich Analytics bereits auf die Cloud. Die Hälfte sieht hier allerdings keine konkreten Einsatzgebiete.

Und auch der hohe Anteil an Unternehmen, die Analytics-Anwendungen in der internen Private Cloud betreiben, scheint auf den ersten Blick überraschend. Denn gerade die immer wichtiger werdende Auswertung großer Datenmengen aus verschiedenen Quellen (Big Data) erfordert enorme IT-Ressourcen und ist damit prädestiniert für eine Public Cloud. PAC beobachtet aber, dass Daten sehr häufig schlicht an dem Ort ausgewertet werden, an dem sie vorgehalten werden. Und dies ist eben oft das ERP-System – das noch eher selten in der Cloud liegt.

Etwas anders stellt sich die Situation in Bezug auf SaaS-Lösungen dar. Hier wird häufig auf die Analytics-Funktionalitäten des Anbieters zurückgegriffen, d.h. die Daten auch direkt in der Cloud verarbeitet.

Die Public Cloud punktet v. a. bei neuen, digitalen Geschäftsbereichen

Neben dem Webhosting punktet die Public Cloud derzeit v. a. beim Aufbau neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da Digitalisierungsstrategien zum einen oft Hand in Hand gehen mit einer stärkeren Vernetzung des Business-Ökosystems, für welches die Public Cloud prädestiniert ist. Und zum anderen basieren sie häufig auf neu entwickelter Software, deren Entwicklung, Betrieb und v. a. schnelle Skalierung ebenso zu den Vorzügen einer Public Cloud zählen.

Die Cloud-basierte Anwendungsentwicklung und/oder das Testen von Unternehmenssoftware findet entsprechend häufig auf Public- oder hybriden Cloud-Plattformen statt. Über alle Befragten hinweg ist die Cloud-Durchdringung in diesem Bereich eher gering, was aber nicht zuletzt daran liegt, dass v. a. größere Unternehmen Platform-as-a-Service nutzen, da in der Regel auch nur hier Anwendungsentwicklung in größerem Maßstab stattfindet. Im Großkundensegment bestätigen entsprechend auch mehr als 30% der Befragten eine PaaS-Nutzung, weitere 33% planen oder erwägen diese.

Wenn IoT, dann hybrid

Erstaunlich gering war die Resonanz dagegen beim Thema Internet of Things. Gerade einmal 13% setzen heute für die Entwicklungen beim Internet der Dinge überhaupt auf Cloud-Infrastrukturen. Was aber zum einen darin begründet liegt, dass Entwicklungen im IoT-Umfeld generell noch am Anfang stehen – denn erwogen wird die Cloud-Nutzung von immerhin einem Viertel der Großunternehmen. Zum anderen lag der Fokus der Studie nicht auf der verarbeitenden Industrie, so dass das in Deutschland wichtige IoT-Segment „Industrie 4.0“ in der Erhebung eine geringere Rolle spielt als im Gesamtmarkt.

Viele Unternehmen sehen das Thema Internet of Things wohl als zu strategisch an, um die Entwicklungen komplett außer Haus zu geben, so dass der Anteil der reinen Public Cloud eher gering ist. Betrachtet man aber zusätzlich hybride Cloud-Strategien, zeigt sich ein anderes Bild: 37% der Unternehmen setzen für den IoT-Bereich auf eine Kombination aus Private und Public Cloud. Nicht verwunderlich, sind doch zum einen alle wichtigen IoT-Plattformen Public-Cloud-basierend, zum anderen aber die Anbindung an Backend-Systeme integraler Bestandteil der meisten IoT-Strategien. Kurz gesagt: Die Daten liegen oft im eigenen Rechenzentrum, die IoT-Applikationen aber in der Cloud.

Und dass Public-Cloud-Plattformen hier eine zentrale Rolle spielen, zeigen nicht zuletzt zahlreiche bekannte Anwendungsfälle. Prominente deutsche Konzerne wie BMW, Siemens, ThyssenKrupp, EnBW, Schaeffler, Kärcher oder Bosch setzen für ihre Connected-Car-, Predictive-Maintenance- oder Smart-City-Initiativen auf die Clouds von Amazon, Microsoft oder IBM.


PAC Studie Multi Cloud Deutschland
Übersicht zu den Teilnehmern der PAC-Studie "Multi-Cloud in Deutschland"

Über den Autor des Beitrags:

Karsten Leclerque

 

 

Über PAC – a CXP Group Company:

Pierre Audoin Consultants (PAC) wurde 1976 gegründet und gehört seit Juni 2014 zur CXP Group, dem führenden unabhängigen europäischen Marktanalyse- und Beratungsunternehmen für die Software- und IT-Dienstleistungsindustrie sowie für Themen rund um die digitale Transformation. Wir bieten unseren Kunden umfassende Support-Services in der Bewertung, Auswahl und Optimierung ihrer Softwarelösungen sowie bei der Bewertung und Auswahl von IT-Dienstleistern und begleiten sie bei der Optimierung ihrer Sourcing- und Investitionsstrategien. Die CXP Group begleitet IKT-Entscheidungsträger bei ihrer digitalen Transformation. Schließlich steht die CXP Group Software- und IT-Dienstleistungsanbietern mit quantitativen und qualitativen Analysen sowie strategischer und operativer Beratung bei der Optimierung ihres Go-to-Market-Ansatzes zur Seite. Auch öffentliche Einrichtungen vertrauen bei der Entwicklung ihrer IT-Richtlinien auf unsere Studien. Mit 40 Jahren Markterfahrung, 17 Niederlassungen in weltweit 8 Ländern und 140 Mitarbeitern unterstützt die CXP Group jährlich mehr als 1.500 IKT-Entscheidungsträger und die operativen Unternehmensbereiche sowohl großer als auch mittelständischer Unternehmen und deren Provider. Die CXP Group besteht aus drei Gesellschaften: Le CXPBARC (Business Application  Research Center) und Pierre Audoin Consultants (PAC). Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf www.pac-online.com und folgen Sie uns auf TwitterLinkedIn oder unserem Blog.

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