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Vom CEO zum CTO - Sind Techniker die besseren Chefs?

Vom CEO zum CTO - Sind Techniker die besseren Chefs?

In einigen deutschen Unternehmen gerät das traditionelle Machtgefüge ins Wanken: Technische Berufe gewinnen immer stärker an Bedeutung. Dagegen droht auf Führungsebene ein Abbau von Arbeitsplätzen.

Während manche der klassischen Manageraufgaben stärker durch Maschinen substituierbar werden, kann es sich kaum noch ein Unternehmen erlauben, auf technisches Know-How in der Führungsspitze zu verzichten. Dieser Trend lässt sich in zwei Bereichen beobachten: sowohl bei der Prozessveränderungen in der Unternehmenssteuerung als auch beim Recruiting.

Wer ist Koch, wer ist Kellner? – Technisches Know-How gewinnt an Bedeutung

Noch vor 10 Jahren war die Frage, wer im Unternehmen der Koch und wer der Kellner ist, eindeutig zu beantworten. Die Zukunftsvisionen und Zielvorgaben wurden von ausgebildeten Managern erstellt. Die technischen Berufe galten als Zuarbeiter.

Diese Rechnung geht heute nicht mehr auf. Mit der Digitalisierung steigt die Bedeutung von Technikern in Unternehmen.  Viele der Zukunftsentscheidungen können heute nicht mehr ohne technischen Sachverstand getroffen werden.

Dagegen können „klassische“ Managementtätigkeiten wie Personal- und Ressourcenplanung immer stärker an Algorithmen weitergereicht oder ausgelagert werden. So schlagen bereits heute Real-Time-Systeme Alarm, wenn relevante Kennzahlen (KPIs) den grünen Bereich verlassen. Ein Beispiel liefert das Management Cockpit (CPM-MC) von SAP, das sämtliche Unternehmensdaten für das Management in grafischer Form aufbereitet. Für einen menschlichen Mitarbeiter ist es mittlerweile nahezu unmöglich, bei den riesigen Datenmengen, die inzwischen in den IT-Systemen der Unternehmen ausgewertet und aufbereitet werden müssen, den Überblick zu behalten.

Die Digitale Transformation der Chefetagen

Wohin ein solcher Trend führen kann, verdeutlicht das Unternehmen Deep Knowledge Ventures, das inzwischen einen Algorithmus namens Vital in den Vorstand aufgenommen hat, um so die Qualität der Entscheidungen des Boards zu verbessern.

Ein Strukturwandel innerhalb des Managements lässt sich an einem weiteren Indiz ablesen: Die Einstiegsgehälter in den unterschiedlichen Bereichen haben sich in den letzten Jahren verschoben. Inzwischen verdient ein angehender Informatiker deutlich besser als ein Berufseinsteiger in den Bereichen Controlling oder Marketing. Laut einer Studie des Fachverbands Bitkom beklagen sich 70 Prozent der Unternehmen über den Fachkräftemangel im Bereich IT. In Deutschland werden 2016 insgesamt 51.000 offene Stellen gezählt.

Gehalt IT
Eigene Darstellung nach "Der Stepstone Gehaltsreport 2017 für Absolventen"

In den USA ist – wie so oft – der Bedeutungsgewinn der technischen Berufe bereits weiter fortgeschritten als in Deutschland. Das liegt u.a. daran, dass die vier Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung weltweit allesamt aus der US-amerikanischen IT-Branche stammen (Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon). Bei allen vier Unternehmen haben die Gründer keine Wirtschafts- sondern IT- und Technikstudiengänge absolviert:

Jeff Bezos (Amazon) studierte Elektrotechnik und Informatik an der Princeton University, Larry Page und Sergey Brin (Alphabet) studierten gemeinsam Informatik an der Standford University und Steve Jobs (Apple) brach sein Studium der Physik am Reed College ab. Eine Ausnahme bildet lediglich Bill Gates, der sich zum Zeitpunkt seines Jura-Studiums in Harvard schon so tief mit dem Thema IT beschäftigt hatte, dass er ein Informatik-Studium nicht mehr in Erwägung zog.

Die IT und ihre wissenschaftliche Methodik sind damit tief in der DNA dieser Unternehmen verwurzelt. Und das mit weitreichenden Folgen: Während die klassische Sichtweise eines BWL- oder Wirtschaftsstudenten auf rendite- und umsatzbezogene Zahlen fokussiert, orientieren sich viele Unternehmen des Silicon Valley an einer anderen Zielgröße: der Lösung von Problemen. Mit diesem Perspektivwechsel kann auch der Erfolg dieser Unternehmen erklärt werden.

Kundenorientierung durch technischem Fokus

Für den Wandel der Vorstands- und Managementetagen in den kommenden Jahren können aus diesen Überlegungen zwei  Erkenntnisse gewonnen werden. Zum einen gilt es, technisches und digitales Know How möglichst breit im Unternehmen zu streuen. In einer Zukunft, in der alle Branchen und Wertschöpfungsketten stufenweise digitalisiert werden, kann Wettbewerbsfähigkeit nur erreicht werden, wenn alle Führungskräfte den technischen Fortschritt erkennen und innerhalb ihrer Bereiche umsetzen können.

Daneben gerät mit dem Wandel von management- zu technikgesteuerten Unternehmen der Kunde wieder zunehmend in das Zentrum der betriebswirtschaftlichen Entscheidungen. Es wird in Zukunft immer stärker gelten: Eine Geschäftsentscheidung macht nur dann Sinn, wenn sie dazu beiträgt, das Leben der Konsumenten zu verbessern.


Über den Autor des Beitrags:

Prof. Dr. Roland Frank

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