,

Vom Hausmeister zum Lieferservice - Platform-as-a-Service für die deutsche TV-Branche

Vom Hausmeister zum Lieferservice - Platform-as-a-Service für die deutsche TV-Branche

Die deutsche TV-Branche steht vor großen Herausforderungen. Durch die amerikanischen Internetunternehmen gerät sie immer mehr in die Defensive. Allerdings lässt sich diese Entwicklung auch umkehren: Mit Hilfe neuer Cloud-Technologien kann die Branche vom Gejagten zum Jäger werden.

Platform-as-a-Service für die deutsche TV-Branche – Vom Hausmeister zum Lieferservice

Das lineare Fernsehen in Deutschland ist nicht tot. Ganz im Gegenteil: Der deutschen TV-Branche geht es blendend – so scheint es zumindest auf den ersten Blick. So hat sich der Tausender-Kontakt-Preis seit dem Jahr 2002 nahezu verdoppelt: Während vor 15 Jahren für einen Werbeblock noch 9,37 EUR fällig waren, belief sich der Preis 2016 bereits auf 16,96 EUR. Tendenz weiter steigendSendungen wie „Germanys Next Topmodel“ können es sich erlauben, fast ein Viertel der Sendezeit mit Werbung zu befüllen.

Die Platzhirsche im Markt sind die öffentlichen-rechtlichen Sendergruppen der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) und die privatrechtlichen Sendergruppen von RTL und ProSiebenSat1. Zusammen bilden diese beiden Gruppen ein Doppel-Duopol, das sich bislang nur den eigenen Regeln (beziehungsweise den Regeln des Staates) unterwerfen musste. Die Wettbewerberseite kann dem bislang wenig entgegensetzen. Zusammen bilden diese Sendergruppen knapp 80 Prozent der deutschen Werbeumsätze im linearen TV ab.

Für beide Gruppen ist der Anreiz, sich gegen die Bedrohungen durch die Digitalisierung zu wappnen, bislang gering. Den öffentlich-rechtlichen Sendern sind teilweise von rechtlicher Seite die Hände gebunden. Gremien fechten Entscheidungen in langwierigen Debatten aus. Die privatrechtlichen Sender haben es sich gemütlich gemacht in einem System von eigenen Vermarktungsunternehmen und eng verbundenen Mediaagenturen.

Die Zeichen in der TV-Branche stehen auf Wandel

Und doch stehen die Zeichen in der TV-Branche auf Wandel. Nur die Verantwortlichen machen bislang keine Anstalten, auf diese Bedrohung zu reagieren. Durch diese laxe Sichtweise besteht die Gefahr, dass es der deutschen TV-Branche genauso ergeht wie anderen Medienbranchen in Deutschland: Sie wird disruptiert.

Potenzielle Kandidaten für eine Disruption der deutschen TV-Branche stehen bereit: Neben den vielfach zitierten und diskutierten VOD-Anbieter Netflix und Amazon Prime mischen „Pure Digital Player“ wie DAZN oder Red Bull TV das Geschäft des linearen TV-Programms auf.

Ein Zauberwort für die potenziellen Angreifer des TV-Marktes heißt Cloud-Technologie. Es bedarf heute nicht mal mehr eines eigenen Servers, um mit der Ausstrahlung von VOD oder linearen TV-Angeboten zu beginnen. Produkte wie Netflix werden bereits heute teilweise technisch aus der Cloud gesteuert. Und die Entwicklungszeit für solche Plattformlösungen ist von Jahren auf mehrere Wochen zusammengeschrumpft.

Cloud-Technologie als Chance

In dieser Entwicklung liegt für deutsche TV-Sender nicht nur ein großes Risiko, sondern auch eine große Chance. Die großen TV-Anbieter in Deutschland müssen, um diese Chance zu nutzen, aktiv mit der Umsetzung und Gestaltung von Cloud-Angeboten beginnen.

Folgende Fragen stellen sich den TV-Anbietern in Deutschland:

  • Welche Angebote wollen wir jenseits unseres linearen TV-Angebots über die traditionellen Übertragungswege mit den neuen technischen Hilfsmitteln kreieren und umsetzen?
  • Und wie werden diese Angebote in das Portfolio des Senders integriert?

Mit der „Platform-as-a-Service“-Technologie (PaaS) ist es möglich, eigenständige Geschäftsmodelle auf digitalen Plattformen zu entwickeln und umzusetzen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, interessante Märkte anzugreifen und bestehende Märkte besser zu verteidigen. Das heißt, die Unternehmen bekommen ein bis ins Unendliche skalierbares Instrument in die Hand, mit dem sie eigene digitale Dienstleistungen anbieten. Aus Sendeanstalten, die auf dem Markt für digitale Dienstleistungen als Endkonsument auftreten werden digitale Lieferservices mit eigenem Produktangebot.


Über den Autor des Beitrags:

Prof. Dr. Roland Frank

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.