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Von Cloud über IoT bis Blockchain – Wie innovativ sind deutsche Unternehmen?

Von Cloud über IoT bis Blockchain – Wie innovativ sind deutsche Unternehmen?

 

„ZEIT ONLINE“ hat nachgezählt: „27-mal ist im aktuellen Koalitionsvertrag vom ‚Internet‘ die Rede und der Digitalisierung ist ein eigenes, zwölfseitiges Kapitel gewidmet. Im Koalitionsvertrag von 2005 kam das Wort ‚Internet‘ viermal vor; ‚Digitalisierung‘ suchte man vergeblich“.

Es lässt sich sicher darüber streiten, ob dem Thema Digitalisierung damit angemessene Bedeutung durch die Politik eingeräumt wird; nicht zuletzt sind flächendeckende Breitbandversorgung, die Modernisierung von Verwaltung und Gesundheitswesen, usw. schon seit vielen Jahren Streitthema. Der Stellenwert im neuen Koalitionsvertrag macht aber durchaus deutlich, wie sehr das Thema mittlerweile in den Fokus der Gesellschaft gerückt ist.

Umso wichtiger, einmal genauer hinzuschauen, wie weit deutsche Unternehmen in der Umsetzung sind. Im Fokus unserer Anwenderbefragung vom März 2018 standen daher konkrete Anwendungsfelder der maßgeblichen Bausteine der Digitalisierung: Cloud, Analytics/Big Data, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge und Blockchain.

Bevor wir auf die einzelnen Themen, deren Umsetzung, verfolgte Ziele und Herausforderungen eingingen, baten wir die Unternehmen um eine generelle Selbsteinschätzung ihrer Innovativität.

Wie innovativ sehen sich deutsche Unternehmen selbst?

Insgesamt schätzt sich deutlich mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen als eher durchschnittlich innovativ ein.

Wobei sich kleinere Unternehmen seltener als innovative Vorreiter sehen als Großunternehmen – und häufiger als besonders konservativ. Was sicher an den finanziellen und ressourcenseitigen Möglichkeiten liegt, aber eben auch an der weitverbreiteten konservativen Grundeinstellung des deutschen Mittelstands.

 

PAC Studie Innovationsfelder in Deutschland

 

Sicher lässt sich dieses Ergebnis ein Stück weit durch die verbreitete Aversion erklären, bei solchen Fragen zu sehr von der „goldenen Mitte“ abzuweichen.

Aber „durchschnittlich innovativ“ oder „konservativ“ sind ja keineswegs ausschließlich negativ zu sehen. Und die Aussagen deuten schon gar nicht auf Stillstand hin. Immerhin haben sich alle befragten Unternehmen bereits mit einem oder mehreren der betrachteten Innovationsthemen intensiv auseinandergesetzt.

Letztlich spiegelt das Bild die wirtschaftliche Realität in Deutschland wider; Gewissenhaftigkeit, Beständigkeit, Zuverlässigkeit, usw. sind ja durchaus Charakteristiken, für die die deutsche Wirtschaft weltweit ein außerordentlich hohes Ansehen genießt.

Was aber auch bedeutet, dass Investition in Neues oft mit außerordentlich sorgfältiger Prüfung aller erdenklichen Chancen, und v.a. Risiken, einhergeht und im Zweifelsfall zunächst die erwiesene Marktreife eines Produktes oder einer Technologie abgewartet wird, bevor eine Entscheidung fällt.

Dies ist zu Teilen sicher auch in Bezug auf die Digitalisierung nicht gänzlich verkehrt. Ein großes Risiko ist allerdings, zu lange mit der Evaluierung neuer Technologien zu warten. Zu groß ist die Gefahr, dass innovativere – oft neue, und nicht selten „branchenfremde“ – Mitbewerber innerhalb kürzester Zeit eine echte Disruption herbeiführen, auf die dann nur noch reagiert werden kann.

Überdurchschnittlich viele Befragte aus dem öffentlichem Sektor und dem Gesundheitswesen sehen sich als eher konservativ. Was weniger überraschend ist als die Tatsache, dass sich auch überdurchschnittlich viele Vertreter dieser Branchen als besonders innovativ bewerten. Letztendlich lassen sich schwer pauschale Aussagen für bestimmte Marktsegmente ableiten – in jeder Branche gibt es hochinnovative Unternehmen, große wie Startups. Ebenso wie es in jedem Sektor alteingesessene Unternehmen gibt, die sich mit Neuerungen schwer tun. Die Aussage eines Vertreters der Gesundheitsbranche bringt es auf den Punkt: „In Deutschland kann man sich wunderbar hinter Datenschutz & Co verstecken; man muss nur lange genug suchen – es findet sich immer irgendeine Regulierung, die es einem vermeintlich unmöglich macht, innovativ zu sein“.

Daten – im Herzen der digitalen Transformation

Die betrachteten Innovationsthemen weisen einen teils sehr unterschiedlichen Reifegrad auf. So nutzen oder implementieren bereits 62% Software-as-a-Service-Lösungen, aber nur gut 20% haben bisher Erfahrung mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz.

 

PAC Studie Innovationsfelder

 

Die Befragung hat aber auch gezeigt, dass die Themen sehr eng ineinandergreifen bzw. aufeinander aufbauen und viele der gängigen Anwendungsfelder mehrere Themen umfassen.

Die Nutzung von Cloud-basierender Software und Infrastruktur ist mittlerweile weit verbreitet und wird weiter signifikant zunehmen. Und nicht selten ist Cloud-Technologie der Wegbereiter für Themen wie IoT, Analytics oder KI, und damit digitaler Prozesse oder gar völlig neuer Geschäftsmodelle.

Die Entscheidung, eine Innovation anzunehmen oder abzulehnen folgt laut der Theorie des Soziologen Everett M. Rogers folgendem Ablauf:

  • Von einer Innovation erfahren
  • Von einer Innovation im positiven oder negativen Sinn überzeugt werden
  • Sich für oder gegen eine Innovation entscheiden
  • Die Innovation implementieren
  • Die Innovationsentscheidung bestätigen und weiter nutzen oder rückgängig machen

 

Die Digitalisierung führt nun dazu, dass diese Zyklen sich potenziell rasant beschleunigen. Nicht zuletzt das Cloud Computing erlaubt die Entwicklung, das Kennenlernen und Ausprobieren und ggf. auch das Verwerfen einer Innovation in lange nicht gekannter Geschwindigkeit.

Ob man von einer Innovation im positiven oder negativen Sinn überzeugt werden kann, hängt laut Rogers maßgeblich von ihrer relativen Vorteilhaftigkeit, ihrer Kompatibilität mit bestehenden Systemen sowie ihrer Komplexität ab.

Angesichts dieser vielfältigen Einflussfaktoren ist es nicht verwunderlich, dass auch unsere Befragung sehr unterschiedliche Einstellungen in Bezug auf die betrachteten Technologien zu Tage brachte.

Erstaunlich viele Studienteilnehmer sehen für ihre Branche oder ihr Unternehmen zum Beispiel kategorisch keinerlei potenzielles Einsatzgebiet für künstliche Intelligenz. Andere sehen die Technologie als noch nicht reif genug für eine Umsetzung oder schlicht als ferne Zukunftsmusik, mit der man sich heute noch nicht beschäftigen muss. Im Gegensatz dazu hat die Befragung sehr deutlich gezeigt, dass es unabhängig von der Branche kaum einen Prozess im Unternehmen gibt, der nicht vom Einsatz künstlicher Intelligenz betroffen sein wird oder bereits ist.

Noch steht die Analyse vorhandener Daten im Vordergrund. Aber genannte Anwendungsfelder reichen von der industriellen Fertigung und dem Betrieb von Infrastrukturen über die Automatisierung administrativer Prozesse bis zu Supply Chain und Logistik sowie automatisierter, individualisierter Kundenansprache.

Analytics und Big Data spielen für das Gros der Befragten dementsprechend eine wichtige – und v.a. wachsende – Rolle. Wobei reines Reporting aus den Backoffice-Systemen an Bedeutung verliert. Im Zentrum aktueller Diskussionen stehen Maschinen- und Sensordaten sowie das Zusammenführen von Daten aus unterschiedlichen Quellen, um den Kunden besser zu verstehen.

Auch das Thema Blockchain befindet sich bei den meisten Unternehmen noch in einer weitgehend „akademischen Diskussion“, wie es einer der Studienteilnehmer ausdrückte. Ein weiterer brachte die Ambivalenz der Diskussion rund um dieses junge Thema auf den Punkt: „Wir sind bislang noch unschlüssig, ob es überhaupt einen Anwendungsfall für unsere Firma gibt – oder ob es nicht sogar disruptiv für uns sein könnte.“ Nichtsdestotrotz haben wir auch mit einigen Vorreitern gesprochen, die bereits konkrete Anwendungsszenarien umgesetzt haben. Insbesondere in Bereichen, die nahe an den etablierten Einsatzgebieten der Blockchain liegen und eindeutige Identifikation und Rückverfolgbarkeit zum Ziel haben – in Produktion, Logistik und Supply Chain.

Alle Themen – Cloud, Analytics/Big Data, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge und Blockchain – werden wir an späterer Stelle im Einzelnen eingehend beleuchten.

Hier geht´s zum Download der Studie.

 


PAC-Studie Innovationsfelder in Deutschland
Cloud, Big Data, IoT, künstliche Intelligenz, Blockchain – wie weit sind deutsche Unternehmen in der Umsetzung?

Arvato IT, Cloud, PAC Innovationsstudie

Dieser Frage ging das Marktanalyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Arvato Systems im Februar und März 2018 mit einer telefonischen Befragung zu Anwendungsfeldern, Investitionsplänen und Einstellungen zu den derzeit bestimmenden Themen der Digitalisierung – Cloud, Big Data, IoT, künstliche
Intelligenz und Blockchain – nach. Neben IT-Entscheidern wurden auch das Management und Fachabteilungen deutscher Unternehmen befragt, um unterschiedliche Sichtweisen zu betrachten.


Über den Autor des Beitrags:

Karsten Leclerque

 

 

Über PAC – a CXP Group Company:

Pierre Audoin Consultants (PAC) wurde 1976 gegründet und gehört seit Juni 2014 zur CXP Group, dem führenden unabhängigen europäischen Marktanalyse- und Beratungsunternehmen für die Software- und IT-Dienstleistungsindustrie sowie für Themen rund um die digitale Transformation. Wir bieten unseren Kunden umfassende Support-Services in der Bewertung, Auswahl und Optimierung ihrer Softwarelösungen sowie bei der Bewertung und Auswahl von IT-Dienstleistern und begleiten sie bei der Optimierung ihrer Sourcing- und Investitionsstrategien. Die CXP Group begleitet IKT-Entscheidungsträger bei ihrer digitalen Transformation. Schließlich steht die CXP Group Software- und IT-Dienstleistungsanbietern mit quantitativen und qualitativen Analysen sowie strategischer und operativer Beratung bei der Optimierung ihres Go-to-Market-Ansatzes zur Seite. Auch öffentliche Einrichtungen vertrauen bei der Entwicklung ihrer IT-Richtlinien auf unsere Studien. Mit 40 Jahren Markterfahrung, 17 Niederlassungen in weltweit 8 Ländern und 140 Mitarbeitern unterstützt die CXP Group jährlich mehr als 1.500 IKT-Entscheidungsträger und die operativen Unternehmensbereiche sowohl großer als auch mittelständischer Unternehmen und deren Provider. Die CXP Group besteht aus drei Gesellschaften: Le CXPBARC (Business Application  Research Center) und Pierre Audoin Consultants (PAC). Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf www.pac-online.com und folgen Sie uns auf TwitterLinkedIn oder unserem Blog.

 

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