Was meine ich, wenn ich von Cloud spreche? – Begriffe rund ums Cloud Computing einfach erklärt

Was meine ich, wenn ich von Cloud spreche? – Begriffe rund ums Cloud Computing einfach erklärt

Aus Magazinen, von Newsseiten und Bürofluren schallt es uns entgegen: „Die Cloud“ ist heute schon fast ein geflügeltes Wort. Dabei meinen IT-Spezialisten, Marketingprofis und Journalisten nicht immer das gleiche. Ein Überblick zu den wichtigsten Begriffen rund um das Thema Cloud Computing.

Die Cloud – eine Definition

Auch wenn der Begriff Cloud oft verwendet wird, ist seine Definition nicht immer dieselbe. Einen guten Einstieg in das Thema liefern die fünf Kernfaktoren des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (The NIST Definition of Cloud Computing).

  1. Zugriff über das Internet: Der Zugriff auf Dienste und Daten geschieht über das Internet und ist unabhängig von Ort oder Endgerät möglich.
  2. Dynamisch zugewiesene Ressourcen: Mehrere Kunden/ Mandanten mieten Dienste auf derselben Hardware, die vom Dienstanbieter nach Bedarf zugewiesen werden.
  3. Self-Service: Dienste und Kapazitäten können vom Kunden jederzeit und selbstständig konfiguriert werden.
  4. Skalierung: Kapazitäten können einfach erweitert oder zurückgefahren werden, um sich ändernden Anforderungen anzupassen. Dieser Vorgang kann automatisch oder auch manuell durchgeführt werden.
  5. Nutzungsbasiertes Abrechnungsmodell: Im Gegensatz zu klassischen Servern werden die gemieteten Dienste nach der Nutzung abgerechnet.

Wenn wir diese Merkmale z.B. auf unseren E-Mail-Account bei GMX oder web.de anwenden, wird deutlich, dass viele unserer E-Mails schon lange in der Cloud liegen. Die der Cloud zugrunde liegenden Technologien sind immerhin schon älter als 10 Jahre.

Mit diesen Kriterien, die vom National Institute of Standards of Commerce erstellt wurde, lässt sich eine Cloud gut definieren. Weitere Eigenschaften, wie ein Datacenter als Speicherort der Daten, müssen nicht extra beschrieben werden. Eine Cloud ist es auch dann, wenn die zugrundeliegende Infrastruktur im eigenen Datacenter betrieben wird – sofern die fünf o.g. Punkte erfüllt sind.

Was ist noch wichtig?

Rund um den Begriff der Cloud gibt es einige weitere Schlagworte, die uns häufig begegnen. Wie wichtig es ist, diese zu kennen und zu verstehen, zeigen die folgenden Erläuterungen.

Virtualisierung

Kern der Virtualisierung ist Software, die physikalische Infrastruktur abstrahiert. (Im Gegensatz zum Cloud Computing, bei dem Dienste anstelle von Software bereitgestellt werden.) Dabei werden Ressourcen wie Server, Storage oder ganze Netzwerke abstrahiert und als Dienst angeboten. Dem Nutzer wird vermittelt, dass er als einziger auf die Ressource zugreift – in Wahrheit teilt er sie jedoch mit anderen Nutzern. Virtualisierung dient der Abstraktion der Hardware und der besseren Auslastung von physischen IT-Ressourcen.

Container

Container stellen eine Abstraktion des Betriebssystems dar – also eine Virtualisierung der Virtualisierung. Anwendungen werden standardisiert verpackt, um ihre Installation, ihren Betrieb und das Management zu vereinfachen. Container definieren Abhängigkeiten der durch sie bereitgestellten Software, die beim Start eines Containers vom ausführenden Host verfügbar werden. Ziel ist ein schnelles und weitgehend automatisiertes Rollout – also die Bereitstellung der Anwendung – auf vielen Servern.

On Premises

Wo wir von Cloud hören, fällt garantiert auch der Begriff „on premises“. Im Gegensatz zur Verfügbarkeit von Leistungen in der Cloud bezeichnet on premises einen lokalen Ort bspw. das heimische Rechenzentrum. Es handelt sich hier um ein Lizenz- und Nutzungsmodell für serverbasierte Computerprogramme, die im eigenen oder auf gemieteten Servern eines Rechenzentrumsbetreibers laufen. Eine kleine Spitzfindigkeit unseres Alltags: Bitte beachten Sie, dass es "on premises" und nicht "on premise" heißt.

XaaS

Aus der Phrase "as a Service"/aaS können wir bereits viel ablesen: Sie steht für dynamisch zugewiesene Ressourcen, Self-Service sowie Skalierbarkeit (siehe Punkt 2 bis 4 oben). Der erste Buchstabe “X“ repräsentiert den Abstraktionsgrad der angebotenen Services.

I – Infrastruktur (IaaS)

Hiermit sind z.B. virtuelle Server oder auch Netzwerke gemeint - also die Grundausstattung, ähnlich wie sie auch im heimischen Rechenzentrum steht.

P – Plattform (PaaS)

Eine Plattform ist z.B. ein Webserver, in dem Kunden ihre eigenen Lösungen bereitstellen können. Der Webserver wird vom Dienstleister gewartet, sodass Kunden sich z.B. um das Patchen des Webservers oder seines Betriebssystems keine Gedanken machen müssen.

S – Software (SaaS)

Bei einer SaaS-Lösung reduziert sich der Aufwand auf das reine Anpassen einer fertigen Software – sowie wir es eingangs am Beispiel von E-Mail beschrieben haben. Sie können bspw. ihr Logo mitbringen und es im Header der Lösung anzeigen oder eigene Regeln für ein Kontextmenu hinterlegen. Aber es ist nicht mehr nötig, eine Webseite zu schreiben, die mit einem Backend Service kommuniziert, um via SMTP E-Mails auszutauschen. Diese beziehen Sie als standardisierte SaaS-Lösung aus der Cloud.

Der Verwaltungsanteil durch den Cloud-Anbieter nimmt bei diesen Modellen immer weiter zu. D.h. im Gegenzug, dass Sie sich als Kunde immer weniger um die Dienste kümmern müssen. Sie können sich also völlig auf Ihre Applikationen und Ihre Geschäftsprozesse fokussieren. Auch „mal eben“ eine neue Software ausprobieren ist möglich, da dafür keine weiteren Investitionen anfallen.

Die Standardisierung und Automatisierung ermöglichen es den Cloud-Anbietern, ihre Leistungen zu einem konkurrenzfähigen Preis anzubieten, da mit steigendem I,P und S eine immer bessere Ausnutzung der Ressourcen möglich ist. Zur weiterführenden Lektüre empfehle ich Albert Barron, der die drei Abstraktionsgerade anhand des Beispiels "Pizza as a service" sehr treffend beschreibt.

Die Cloud und ihre Ausprägungen

Neben einem Anbieter von Cloud-Diensten können Sie auch zwischen verschiedenen Cloud-Szenarien wählen.

Public Cloud, Private Cloud

Die großen Public Cloud Provider wie AWS oder Microsoft haben unterschiedliche Schwerpunkte bei Ihren Diensten gewählt, was sich teilweise auch in Preisunterschieden deutlich macht.

Die Liste der Begriffe rum um das Thema Cloud Computing ließe sich natürlich nahezu beliebig fortsetzen. Für den Anfang hoffe ich, Sie haben nun einen ausreichenden Überblick – und kommen sicher durch jedes Flurgespräch sowie die Lektüre von Zeitschriften- und Online-Beiträgen. Gern erläutere ich in einem Folgebeitrag weitere Begriffe aus der Cloud-Welt. Kontaktieren Sie mich dafür persönlich oder hinterlassen Sie einen Kommentar.


Über den Autor des Beitrags:

René Hézser

 

 

 

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