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Wie Cloud dabei helfen kann, Unternehmen zu verändern – Von Küchenchefs und neuen Geschäftsmodellen

Wie Cloud dabei helfen kann, Unternehmen zu verändern – Von Küchenchefs und neuen Geschäftsmodellen
Reihenweise wurden in den vergangenen Jahren Industrien und Branchen von der Digitalisierung erfasst. Während zunächst B2C-Anwendungen Auslöser für diese Entwicklung waren (z.B. Uber, Netflix), stehen nun zahlreiche B2B-Anwendungen in den Startlöchern, um den großen Erfolg zu wiederholen.

Mit Platform-as-a-Service zu neuen Geschäftsmodellen

Digitale Technologie-Plattformen ermöglichen es Unternehmen dieser Branchen, neue Anwendungen im Markt zu testen. So arbeitet bspw. das amerikanische Unternehmen Medtronic mit IBM Watson zusammen, um Patientendaten in Echtzeit zu analysieren und passende Behandlungen vorzuschlagen. Das System „Sugar IQ“, das von den beiden Unternehmen gemeinsam entwickelt wurde, richtet sich an Diabetes-Patienten, die ihren Insulinspiegel in Echtzeit analysieren lassen können. Dabei hilft das kognitive System von IBM Watson, die Analyse auf die Bedingungen und Lebenssituationen der individuellen Nutzer anzupassen.

Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, müssen Unternehmen lernen, neue Business- und Geschäftsmodelle mit Hilfe innovativer Plattform-Technologie umzusetzen. Microsoft Azure, Amazon AWS, IBM Watson u.a. stellen cloudbasierte Lösungen (Platform as a Service – PaaS) zur Verfügung, die mit geringem Aufwand und hoher Skalierbarkeit in die Geschäftsprozesse der Unternehmen implementiert werden können. Damit unterscheiden sich die Platform-as-a-Service Angebote maßgeblich von den bisherigen Cloud-Technologien wie Software-as-a-Service (SaaS) und Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Um den Zusammenhang zu verstehen, soll an dieser Stelle auf ein Bild aus der Küche zurückgegriffen werden.

Die Küchenanalogie – IaaS, SaaS und PaaS und welche Gerichte man damit kochen kann

PaaS, SaaS, IaaS

In unserer Analogie ist es die Aufgabe der IT-Abteilung eines Unternehmens, schmackhafte Mahlzeiten zu kochen. Diese Gerichte dienen als Grundlage für die Herstellung der unternehmenseigenen Produkte und Dienstleistungen. Zur Zubereitung bedarf es einer entsprechenden IT-Infrastruktur: einer Küche. Teil der Küchenausstattung sind alle Geräte, die die Mitarbeiter zur Herstellung der Gerichte benötigen: Server, Datenspeicher und Netzwerke.

In der Zeit vor den ersten Cloud-Computing-Anwendungen mussten die Unternehmen die Küche selbst einrichten. In einem kahlen Raum mussten zunächst die Rohre, die Strom- und Gasleitungen verlegt werden. In einem zweiten Schritt musste die notwendigen Haushaltsgeräte ausgewählt angeschlossen und betrieben werden. Schließlich wurde das Küchenpersonal und die Hausmeister eingestellt und angelernt. Das heißt, das Unternehmen bezahlte in dieser Architektur nicht nur die Herstellung der Gerichte, sondern trug auch die Kosten für Reparatur und Wartung.

Mit dem Aufkommen der Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-Lösungen Anfang der 2000er Jahre änderte sich die Ausganglage: Nun hatte jedes Unternehmen mit Breitbandanschluss die Möglichkeit, auf eine funktionierende Einbauküche zurückzugreifen. Das Schöne: Viele der Wartungsarbeiten mussten nun nicht mehr von den Mitarbeitern des Unternehmens durchgeführt werden. Der Küchenchef sparte sich sozusagen den Hausmeister und fand immer eine „warme“ Küche vor. Der Nachteil: Jedes Mal, wenn er die Küche verwendet wollte, wurde ein Kostenbetrag für das Unternehmen fällig (z.B. durch Pay-per-use). Das ist so, als ob ein Bezahlschlitz am Eingang der Küche angebracht wäre und sich die Küche nur öffnet, wenn auch Geld eingeworfen wurde.

Eine zweite Option, Cloudtechnologie zu nutzen, besteht in den Software-as-a-Service (SaaS)-Anwendungen. Dem Geschäftsmodell also, mit dem das Unternehmen Salesforce erfolgreich agiert. In der Küchenanalogie nimmt SaaS die Stellung eines Essens-Lieferservice ein. Der Kunde kann aus dem Angebot das für ihn relevante Gericht aussuchen und bekommt dieses direkt nach Hause geliefert. Die Küche bleibt kalt. Und der Kunde bezahlt nur, was er gegessen hat.

Was aber sind in einem solchen Gedankenmodell die Platform-as-a-Service-Angebote (PaaS)?

Zunächst einmal ist die PaaS ein großer Koffer voller Küchengeräte, die bislang nicht in der eigenen Küche zum Einsatz kamen und die die Möglichkeiten des Kochens radikal verändern. Diese müssen aber nicht aufwendig in der Küche installiert werden, sondern sind sofort via API einsatzbar und praktisch unendlich skalierbar. D.h. es kann sowohl der kulinarische Bedarf einer Eckkneipe als auch der gastronomische Umsatz eines Bierzelts auf dem Oktoberfest als auch die Ansprüche einer Drei-Sterne-Küche mit den Geräten abgedeckt werden.

So konnte das Unternehmen Medtronic mit der Implementierung von Watson beginnen – und damit die Innovationskraft eines kognitiven Systems für eigene Produkte nutzen – ohne selbst ein kognitives System zu programmieren.

So wie Medtronic kann nun jedes Unternehmen (jede Küche) mittels PaaS auf Watson zugreifen. Und nicht nur Watson kann angesteuert werden. Amazon (AWS), Google und Microsoft (Azure) bieten ein riesiges Portfolio an kognitiven, analysierenden und prozesssteuernden digitalen Services an. Welche Gerichte dabei gekocht werden, hängt einzig von der Fantasie des Küchenchefs ab. Niemand kann vorhersagen, welche Gerichte mit all diesen Maschinen möglich sind. Das Motto lautet: „gratinierter Spargelspitzenauflauf“ statt Fertigpizza.

Mit dieser Option bilden digitale Cloud-Anwendungen wie PaaS das Sprungbrett für Unternehmen in das digitale Zeitalter. Das Beratungsunternehmen Gartner geht in einer Studie für die arvato sytems GmbH davon aus, dass bereits im Jahr 2020 90% aller Unternehmen auf den Einsatz von solchen digitalen Plattformlösungen bei der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle angewiesen sein werden.


Über den Autor des Beitrags:

Prof. Dr. Roland Frank

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