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Wie Deutschland den Anschluss an die Cloudtechnologie verpasst hat – und warum das (noch) nicht schlimm ist

Wie Deutschland den Anschluss an die Cloudtechnologie verpasst hat – und warum das (noch) nicht schlimm ist

Deutsche Unternehmen erhalten ihre zweite Cloud-Chance: In der zweiten Welle der Cloud-Entwicklung mit den neuen „as a Service“-Themen können deutsche Unternehmen vom Gejagten zum Jäger zu werden.

Empfehlungen von Beraterseite, mehr Ressourcen in die Implementierung von Cloudtechnologie zu investieren, lösen in deutschen Vorstandsetagen Beklommenheit aus. Einerseits spüren die Manager intuitiv, dass dieser Trend eine wichtige Rolle in der Zukunft spielen wird. Gleichzeitig überlassen sie dieses Feld unternehmensintern lieber den technischen Direktoren (CTOs), den Netzwerktechnikern und Systemadministratoren.

Die USA als Vorreiter der Cloudtechnologie

Bereits Anfang der 2000er Jahre – mit der Ausbreitung der Breitbandnetze – kam der ökonomische Erfolg der Cloudtechnologie. Ein wichtiger Treiber hinter dieser Entwicklung war das Unternehmen Salesforce, dem es gelang, Unternehmenssoftware als Pakete im Netz anzubieten. Dienste wie Verwaltungssoftware für Kundendaten mussten nicht mehr langwierig geplant und bestellt werden, sondern waren per Mausklick aus dem Netz verfügbar. Genauso einfach wie man heute Spotify auf dem Smartphone installiert.

Daneben war der zweite Treiber der Entwicklung der Cloud die „Infrastructure as a Service“-Technologie (IaaS). Bei diesem Ansatz greifen Unternehmen auf externe Anbieter von Rechenleistung zu. Damit sind sie in der Lage, den Betrieb der internen Rechenzentren teilweise oder vollständig auszulagern.

Internetgiganten wie Amazon, Microsoft und Google beschäftigen sich seit dieser Anfangszeit der ökonomischen Nutzung der Cloud mit dem Aufbau riesengroßer Serverfarmen. Sogenannte Hyperscaler – Rechenzentren, die aus einer Verbindung von abertausenden Kleinstserver bestehen – werden von den Firmen aus dem Silicon Valley weltweit ans Netz gebracht und nach Auslastung – ähnlich wie Stromnetze – bei Bedarf hoch- oder heruntergefahren.

Eine eigene aktive Entwicklung der Cloud in Deutschland fand bislang kaum statt.

Deutsche Unternehmen haben diese erste Welle der Entwicklung der Cloudtechnologie vielfach verschlafen. Dabei mangelte es nicht an Initiative: Zahlreiche IaaS-Projekte wurden unternehmensintern durchgerechnet und durchgeführt. So will beispielsweise die Deutsche Bahn bis ins Jahr 2022 80 % der IT-Aufgaben in die Cloud verlagern. Auch Unternehmen wie BMW oder BASF haben Teile ihrer IT-Infrastruktur in die Cloud verlagert, um effizienter mit den gegebenen Ressourcen zu haushalten. Daneben sind immer mehr Arbeitsplätze in deutschen Konzernen mit Zugängen zu SaaS-Lösungen wie Microsoft Office 365 und zur Adobe Cloud ausgestattet.

Eine eigene aktive Entwicklung der Cloud in Deutschland fand bislang kaum statt. Das könnte sich mit dem Aufkommen neuer Cloud-Technologien ändern. Denn nun ist mehr Eigeninitiative von den Unternehmen gefragt. Immer neue Angebote kommen auf den Markt, die aus der Cloud heraus angeboten werden. So gibt es heute zahlreiche zusätzliche digitale Dienstleistungen wie die „Disaster Recovery as a Service“-Technologie. Damit haben IT-Abteilungen die Möglichkeit, Unternehmensdaten im Krisenszenario eines IT-Ausfalls wiederherzustellen. Oder „Blockchain-as-a-Service“, also die Auslagerung der Erstellung von Blockchains an externe Rechenzentren.

„Plattform as a Service“- Technologie eröffnet deutschen Unternehmen eine zweite Chance.

Eine der Grundlagen für diese Entwicklung bildet die „Platform as a Service“-Technologie (PaaS), mit der Unternehmen eigenständig „as a Service“ Angebote erstellen und umsetzen können. Der große Vorteil dieser Technologie ist, dass die Entwicklungszeiten und Entwicklungskosten massiv reduziert werden. Die PaaS-Technologie hilft dabei, ausgefeilte Geschäftsmodelle oder aufwändige technische Aufgaben in kürzester Zeit umzusetzen.

Heruntergebrochen auf die aktuelle Situation, stehen deutsche Unternehmen vor einer spannenden Frage: Sollen lieber 100 Projekte mit Entwicklungskosten von jeweils 10.000 Euro angestoßen werden? Oder lieber ein Projekt mit einem geschätzten Kostensatz von einer Million Euro?

Deutsche Unternehmen haben mit dieser Weiterentwicklung der Cloud-Technologie eine zweite Chance erhalten. Die zweite Welle der Cloud-Entwicklung mit den neuen „as a Service“-Themen bietet deutschen Unternehmen die Chance, vom Gejagten zum Jäger zu werden. Ergreifen müssen die Verantwortlichen diese Chance selbstständig.


Über den Autor des Beitrags:

Prof. Dr. Roland Frank

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