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Wohin fließen die Innovationsbudgets der Unternehmen?

Wohin fließen die Innovationsbudgets der Unternehmen?

 

Eine grundsätzliche Entwicklung seit Bestehen des professionellen IT-Marktes lautet:

Von Hardware zu Software zu Services

Noch Anfang der 1990er Jahre machten Hardware-Ausgaben fast 30% des deutschen IT-Marktes aus, 2017 waren es nur noch 14%. Investitionen in IT-Services dagegen, damals bei nicht einmal 15%, stehen heute für 30% der gesamten IT-Ausgaben – bzw. sogar für ein ganzes Drittel, wenn man Software-as-a-Service hinzurechnet.

Diese Entwicklung ist v.a. der zunehmend vernetzten internationalen Wirtschaft, diversifizierteren Unternehmen und Supply Chains geschuldet.

Gleichzeitig stieg der strategische Stellenwert der IT rasant an, wenn auch nicht ohne Schwankungen. Nachdem kurz vor der Jahrtausendwende noch massiv in vermeintlich differenzierende Technologie investiert wurde, bewerteten viele Unternehmen nach dem Platzen der Dotcom-Blase den strategischen Stellenwert der IT neu: Sie wurde weitgehend zum unterstützenden Cost Center degradiert. Die seitdem wichtigsten IT-Mantras – Standardisierung und Kostensenkung – führten zu einem regelrechten IT-Outsourcing-Boom, der im Verkauf ganzer IT-Abteilungen gipfelte.

Digitalisierung führt zur Neubewertung des strategischen Stellenwerts der IT

In den vergangenen Jahren wurden sich die Unternehmen zunehmend bewusst, dass sie durch zu exzessives Outsourcing allzu oft in Abhängigkeit eines externen Dienstleisters geraten waren, und versuchten, über selektiveres und flexibleres Sourcing gegenzusteuern. Das aufkommende Cloud Computing befeuerte diesen Trend massiv.

Heute erleben wir dank Digitalisierung erneut ein echtes Umdenken: IT ist wieder strategisch. Und über strategische Faktoren gibt man nur ungern zu viel Kontrolle aus den eigenen Händen.

Was nicht heißt, dass es eine Umkehr der oben genannten Entwicklung gibt: Der Stellenwert von Services – und Software, die als Service geliefert wird – wird zweifelsohne weiter zunehmen. Nichtsdestotrotz erleben wir derzeit eine Wiederbelebung des Technologie-Produktmarktes, wie auch unsere Befragung bestätigt:

PAC Innovationsfelder, Innovation, Budgets

Technologische Innovation wird in den befragten Unternehmen zu großen Teilen über die Anschaffung von Hard- und Software realisiert. Die Modernisierung der bestehenden Infrastrukturen steht dabei im Vordergrund, beispielsweise, um moderne Cloud-Architekturen zu realisieren oder anspruchsvolle Analytics-Lösungen zu ermöglichen. Aber auch, um neue Geschäftsfelder wie IoT voranzutreiben – Bereiche, in denen sich „Hard- und Software“ nicht mehr nur auf Server und PCs beschränken, sondern zunehmend auch Robotik, Sensorik, spezielle Appliances usw. umfassen.

Aufbau interner Ressourcen – aber nicht ohne externe Unterstützung

Fast ein Viertel der befragten Unternehmen investiert zudem in den Ausbau oder die Weiterbildung des internen Fachpersonals. Aber genau hier liegt oft die Herausforderung, wie wir an späterer Stelle noch genauer zeigen werden. Experten, die sich mit den derzeitigen Innovationsthemen auskennen, sind äußerst rar. Und das gilt nicht nur für die sehr neuen Themen wie Blockchain – auch die Nachfrage nach Spezialisten für die wichtigsten Cloud-Technologien und -Plattformen übersteigt das verfügbare Angebot.

Sicher mit ein Grund, weshalb mehr als 70% derjenigen, die maßgeblich in Software investieren, auf Nachfrage angaben, hierzu auch weiterführende Dienstleistungen vom Anbieter zu erwarten. Gewünschte Unterstützungsleistungen reichen dabei von „allgemeiner Beratung rund um Netzwerk und Infrastruktur“ über die Produktauswahl bis hin zu Implementierung von Hard- und Software, individueller Anwendungsentwicklung und „Unterstützung im reibungslosen Betrieb“.

Interessant ist, dass „konzeptionelle Beratung“ und „Prozessoptimierung“ mehrfach genannt wurden: bezogen auf Themen wie die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung, aber auch auf die Etablierung völlig neuer Prozesse, wie etwa im IoT-Umfeld oder im Bereich Mobility.

Auch bei der Anschaffung von Hardware ist die Erwartungshaltung an zusätzliche Dienstleistungen ähnlich. Ca. 60% jener Unternehmen, die Innovationen maßgeblich über Hardwareinvestitionen vorantreiben, setzen auf externe Services. Diese reichen von der Unterstützung bei der Definition der Technologie-Roadmap und der Auswahl von Hardwareprodukten über die Installation, Inbetriebnahme und Wartung bis hin zu weiterführenden Remote-Services. Vorhandene Systeme sollen integriert und Benchmarks der Performance durchgeführt werden.

Aber auch das „Aufzeigen von Innovationen“ und Unterstützung bei der „Umsetzung neuer Themenfelder“ werden nachgefragt. Generell scheint es vielen Unternehmen schwer zu fallen, angesichts der rasanten technologischen Entwicklung auf dem Laufenden zu bleiben. So erwartet einer der Teilnehmer „Beratung wegen der Schnelllebigkeit des Marktes“, ein anderer fragt schlicht: „Wo geht die Reise hin?“

Externe Impulse treiben die Innovation – technisch und fachlich

Beim Thema Cloud Computing – für gut ein Drittel der Teilnehmer eine wichtige Innovations-Plattform – ist die Nachfrage nach unterstützenden Services sogar noch höher: Über 80% derjenigen, die für ihre Innovationsvorhaben auf Cloud-Plattformen setzen, erwarten sich Unterstützungsleistungen. Und zwar sowohl grundsätzlicher Natur, wie z.B. „strategische Beratung bezüglich der zu migrierenden Daten und Funktionen“ als auch konkrete Unterstützung, etwa „bei Migration und technischem Support“, dem „Monitoring der Cloud-Nutzung“ oder dem „Cloud-Enabling“ vorhandener On-Premise-Lösungen.

Externes Know-how bzgl. Sicherheit und Compliance spielt eine ebenso große Rolle beim externen Dienstleister wie „Prozesskompetenz“ und eine tiefe Kenntnis der Cloud-Plattformen. Wünsche nach einer „Erhöhung der Preistransparenz“, der „Ausgestaltung von Serviceverträgen“ und dem „Erhöhen der Planungssicherheit“ zeugen von einer gewissen Unsicherheit im Umgang mit den oft intransparenten und v.a. rasant weiterentwickelten Cloud-Angeboten.

Dass es bei den betrachteten Innovationen nicht ausschließlich um Technologie, sondern oft um eine Anpassung bestehender oder sogar den Aufbau neuer Geschäftsprozesse geht, zeigt die Tatsache, dass zwei Drittel der teilnehmenden Unternehmen externe fachliche Beratung in Anspruch nehmen, aber nur gut die Hälfte technische Beratung.

Für ein Viertel der teilnehmenden Unternehmen gehört entsprechend die Zusammenarbeit mit Startups zur Innovationsstrategie. Einige Teilnehmer beschränken sich auf Beratungsleistungen durch innovative Startups, andere investieren in „Joint Ventures, Finanzbeteiligungen und das Zurverfügungstellen von Mitarbeiter-Ressourcen für Startup-Entwicklung“ und wieder andere haben bereits Startups akquiriert oder kaufen sogar „ständig kleinere und größere Unternehmen hinzu“.

Vom Outsourcing- oder Managed-Services-Partner erwarten sich nur knapp 30% der Studienteilnehmer innovative Impulse. Auf die Nachfrage, in welche Art von Unterstützungsleistung hier konkret investiert wird, sind die Antworten vielfältig, umfassen aber eher traditionelle IT-Services. Sie reichen vom Outsourcing der Softwareentwicklung über die Applikationsbetreuung bis hin zu Netzwerk- und Infrastruktur-Betrieb, Service Desk, Housing- und Hosting-Diensten.

Hier geht´s zum Download der Studie.

PAC-Studie Innovationsfelder in Deutschland
Cloud, Big Data, IoT, künstliche Intelligenz, Blockchain – wie weit sind deutsche Unternehmen in der Umsetzung?

Arvato IT, Cloud, PAC Innovationsstudie

Dieser Frage ging das Marktanalyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Arvato Systems im Februar und März 2018 mit einer telefonischen Befragung zu Anwendungsfeldern, Investitionsplänen und Einstellungen zu den derzeit bestimmenden Themen der Digitalisierung – Cloud, Big Data, IoT, künstliche
Intelligenz und Blockchain – nach. Neben IT-Entscheidern wurden auch das Management und Fachabteilungen deutscher Unternehmen befragt, um unterschiedliche Sichtweisen zu betrachten.


Über den Autor des Beitrags:

Karsten Leclerque

 

 

Über PAC – a CXP Group Company:

Pierre Audoin Consultants (PAC) wurde 1976 gegründet und gehört seit Juni 2014 zur CXP Group, dem führenden unabhängigen europäischen Marktanalyse- und Beratungsunternehmen für die Software- und IT-Dienstleistungsindustrie sowie für Themen rund um die digitale Transformation. Wir bieten unseren Kunden umfassende Support-Services in der Bewertung, Auswahl und Optimierung ihrer Softwarelösungen sowie bei der Bewertung und Auswahl von IT-Dienstleistern und begleiten sie bei der Optimierung ihrer Sourcing- und Investitionsstrategien. Die CXP Group begleitet IKT-Entscheidungsträger bei ihrer digitalen Transformation. Schließlich steht die CXP Group Software- und IT-Dienstleistungsanbietern mit quantitativen und qualitativen Analysen sowie strategischer und operativer Beratung bei der Optimierung ihres Go-to-Market-Ansatzes zur Seite. Auch öffentliche Einrichtungen vertrauen bei der Entwicklung ihrer IT-Richtlinien auf unsere Studien. Mit 40 Jahren Markterfahrung, 17 Niederlassungen in weltweit 8 Ländern und 140 Mitarbeitern unterstützt die CXP Group jährlich mehr als 1.500 IKT-Entscheidungsträger und die operativen Unternehmensbereiche sowohl großer als auch mittelständischer Unternehmen und deren Provider. Die CXP Group besteht aus drei Gesellschaften: Le CXPBARC (Business Application  Research Center) und Pierre Audoin Consultants (PAC). Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf www.pac-online.com und folgen Sie uns auf TwitterLinkedIn oder unserem Blog.

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